Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Zweite Abteilung], Das Halsband der Königin : 1.-4. Bändchen (1849) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Gewächs nur ſo viel trinken, als Seine Majeſtät der Kaiſer ihnen zu ſchicken die Guͤte hat.

Ich weiß es.

Wohl, Monſeigneur, von dieſen zwölf Flaſchen, von denen der Kronprinz koſtete, und deren Wein er vortrefflich kennt, ſind heute nur noch zwei übrig.

Ha! ha!

Die eine iſt noch in den Kellern von König Ludwig XVI.

Und die andere?

Ah! das iſt es, Monſeigneur, erwiederte der Haushofmeiſter mit einem triumphirenden Lächeln; denn er fühlte, nach dem langen Streite, den er aus⸗ gehalten, nahe ſich für ihn der Augenblick des Sie⸗ ges:die andere, die andere wurde entwendet.

Durch wen?

Durch einen von meinen Freunden, den Keller⸗ meiſter des verſtorbenen Königs, der große Verbind⸗ lichkeiten gegen mich hatte.

Ah! ahl Und er gab ſie Ihnen?

Sicherlich, ja, Monſeigneur, ſprach der Haus⸗ hofmeiſter voll Stolz.

Und was machten Sie damit?

Ich legte ſie ſorgfältig in den Keller meines Herrn.

Ihres Herrn? Wer war zu jener Zeit Ihr Herr? Der Herr Cardinal Prinz Louis von Rohan. Ah! mein Gott! in Straßburg?

In Saverne.

Und Sie haben Jemand abgeſchickt, um dieſe Flaſche für mich holen zu laſſen? rief der alte Marſchall.

Für Sie, Monſeigneur, antwortete der Haus⸗ hofmeiſter mit dem Tone, den er gewählt hatte, um zu ſagen:Undankbarer.

Der Herzog von Richelieu ergriff die Hand des alten Dieners und rief:

Ich bitte Sie um Verzeihung, mein Herr; Sie ſind der König der Haushofmeiſter.