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Graf von Haga, der zu den Gäſten von Monſeigneur gehört...
„Nein.“
„Der Graf von Haga iſt ein König.“
„Ich kenne keinen König, der ſich ſo nennt.“
„Dann verzeihe mir Monſeigneur,“ ſprach der Haushofmeiſter ſich verbeugend,„aber ich glaubte, ich muthmaßte...“
„Es iſt nicht Ihr Auftrag, zu glauben, mein Herr! Es iſt nicht Ihre Pflicht, zu muthmaßen! Sie haben nichts Anderes zu thun, als die Befehle zu leſen, die ich Ihnen gebe, ohne irgend einen Commentar beizu⸗ fügen. Will ich, daß man etwas wiſſe, ſo ſage ich es; ſage ich es nicht, ſo will ich, daß man es nicht wiſſe.“
Der Haushofmeiſter verbeugte ſich zum zweiten Mal, und diesmal vielleicht ehrfurchtsvoller, als wenn er mit einem regierenden König geſprochen hätte.
„Sie werden alſo,“ fuhr der alte Marſchall fort, „Sie werden, da ich nur Cdelleute bei Tiſche habe, ſo gut ſein, mich zu meiner gewöhnlichen Stunde, das heißt, um vier Uhr ſpeiſen laſſen.“
Bei dieſem Befehl verdüſterte ſich die Stirne des Haushofmeiſters, als hätte er ein Todesurtheil aus⸗ ſprechen hören. Er erbleichte und beugte ſich unter dem Schlag. Bald aber erhob er ſich wieder mit dem Muth der Verzweiflung und ſprach:
„Es mag geſchehen, was Gottes Wille iſt, doch Monſeigneur wird erſt um fünf Uhr ſpeiſen.“
„Warum und wie dieß?“ rief der Marſchall, raſch ſich aufrichtend.
„Weil es materiell unmöglich iſt, daß Monſeigneur früher ſpeist.“
„Mein Herr,“ ſagte der alte Marſchall, indem er voll Stolz ſeinen noch lebhaften und jungen Kopf ſchüttelte,„Sie ſind, glaube ich, nun zwanzig Jahre in meinem Dienſt?“
„inundzwanzig Jahre, Monſeigneur, einen Monat und zwei Wochen darüber.“ 17“


