Teil eines Werkes 
Zwanzig Jahre nachher : Fortsetzung der Drei Musketiere : 11.-14. Bändchen (1845) Vingt ans après
Entstehung
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Die bleiche Helle zweier Kerzen ließ in dem großen, hohen Gemache von ſeltfamen Refleren beleuchtete Phantome er⸗ ſcheinen. Dieſe Phantome waren die Ahnen von König Karl, welche ſich aus ihren goldenen Rahmen löſten. Die Reflere rührten von dem letzten bleichen, ſpiegelnden Schimmer eines Kohlenfeuers her, das im Erlöſchen be⸗ griffen war.

Eine unermeßliche Traurigkeit bemächtigte ſich des Königs. Er begrub ſeine Stirne in ſeinen zwei Händen, dachte an die Welt, welche ſo ſchön iſt, wenn man ſie ver⸗ läßt, oder vielmehr wenn ſie uns verläßt, an die Liebkoſungen der Kinder, welche ſo ſüß und zart ſind, beſonders wenn man von dieſen Kindern getrennt iſt, um ſie nie mehr zu ſehen, dann an ſeine Gattin, ein edles, muthiges Geſchöpf, das ihn bis zu ſeinem letzten Augenblick unterſtützt hatte. Er zog aus ſeiner Bruſt das Demantkreuz und den Stern des Hoſenbandordens, dieſe Juwelen, die ihm durch die edelmüthigen Franzoſen zugeſchickt worden waren, und küßte ſie. Als er dabei bedachte, daß er dieſe Gegenſtände nie wiederſehen würde, wenn er kalt und verſtümmelt im Grabe läge, fühlte er jenen eiſigen Schauer über ſeine Glieder laufen, den uns der Tod wie ſeinen erſten Man⸗ tel zuwirft.

In dieſem Gemache, das ſo viele königliche Erin⸗ nerungen in ihm rege machte, wo ſo viel Höflinge ſich bewegt, ſo viele tauſend Schmeicheleien ausgeſprochen wor⸗ den waren, allein mit einem verzweifelnden Diener, deſſen ſchwaches Gemüth ſeine Seele nicht unterſtützen konnte, ließ der König ſeinen Muth bis zu der Linie dieſer Schwächen, dieſer Finſterniß, dieſer Winterkälte herab⸗ ſinken. Und ſollte man es glauben, Karl, der ſo groß, ſo erhaben, das Lächeln der Reſignation auf den Lippen ſtarb, trocknete in der Finſterniß eine Thräne, welche auf den Tiſch gefallen war und über dem goldgeſtickten Tep⸗ pich zitterte.

Zwanzig Jahre nachher. IV. 3

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