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an den Tod des Königs denken? Wer ſpricht davon? Der König hat die Blattern... Wir wiſſen alle, was dies bedeutet; er hat Bordeu und la Martinisre, geſchickte Leute, bei ſich..Ich wette, daß Ludwig der Vielgeliebte abermals davonkommt, mein lieber Meiſter; nur erſtickt diesmal das franzöſiſche Volk nicht in den Kirchen, um neuntägige Gebete zu verrichten, wie zur Zeit ſeiner erſten Krankheit... Höoren Sie, Alles nutzt ſich ab.“ „Stille!“ verſetzte der Greis bebend,„ſtille! denn ich ſage Ihnen, Sie ſprechen von einem Mann, über den Gott in dieſem Augenblick ſeinen Finger ausſtreckt.“ Erſtaunt über dieſe ſeltſame Sprache, ſchaute der junge Mann von der Seite den Greis an, deſſen Augen die Fagade des Schloſſes nicht verließen. „Sie haben alſo genauere Nachrichten?“ fragte er. „Schauen Sie,“ ſprach der Greis, indem er nach einem der Fenſter des Palaſtes deutete;„was ſehen Sie dort?“ „Ein beleuchtetes Fenſter... meinen Sie das?“ „Ja... doch wie beleuchtet?“ ſrc„Durch eine Kerze, welche in einer kleinen Laterne eckt.“
„Ganz richtig.“ „Nun?“
„Nun! junger Mann, wiſſen Sie, was die Flamme dieſer Kerze vorſtellt?“
„Nein, mein Herr.“
„Sie ſtellt das Leben des Königs vor.“
Der junge Mann ſchaute den Greis noch ſchärfer an, als wollte er ſich verſichern, daß er ſeine volle Ver⸗ nunft beſitze.
„Einer von meinen Freunden,“ fuhr der Greis fort, „Herr von Juſſieu, hat die Kerze dorthin geſtellt, und ſie wird brennen, ſo lange der König lebt.“— 8
„Es iſt alſo ein Signal?“.
„Ein Signal, das der Nachfolger von Ludwig XV., hinter einem Vorhang verborgen, nicht aus den Augen


