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„Der Herr ſchöpft friſche Luft?“ Der Greis ſchaute empor. „Ei!“ rief der junge Mann,„das iſt mein erhabener Meiſter.“
„Und Sie ſind mein junger Arzt,“ ſagte der Greis.
„Wollen Sie mir erlauben, mich an Ihre Seite zu ſetzen?“
„Sehr gern, mein Herr,“ erwiederte der Greis. Und er machte dem Andern Platz.
„Es ſcheint, es geht beſſer mit dem Koͤnig,“ ſagte der junge Mann;„man freut ſich.“
Und er ſchlug ein neues Gelächter auf.
Der Greis antwortete nicht.
„Den ganzen Tag find die Carroſſen von Paris nach Rueil, und von Rueil nach Verſailles gerollt,“ fuhr der junge Mann fort...„Die Gräfin Dubarry wird den König heirathen, ſo bald er wiederhergeſtellt iſt.“
Und er beendigte ſeinen Satz mit einem neuen Ge⸗ lächter, das noch viel geräuſchvoller war, als das erſte.
Der Greis antwortete auch diesmal noch nicht.
„Verzeihen Sie mir, wenn ich auf dieſe Art lache,“ ſprach der junge Mann mit einer Bewegung voll nervoſer Reizbarkeit,„ſehen Sie, ein guter Franzoſe liebt ſeinen König, und mein Köͤnig befindet ſich beſſer.“
„Scherzen Sie nicht ſo über dieſen Gegenſtand, mein Herr,“ entgegnete der Greis mit mildem Tone,„der Tod eines Menſchen iſt immer ein Unglück für irgend Jemand, und der Tod eines Königs iſt oft ein großes Unglück für Alle.“
„Selbſt der Tod von Ludwig XV.?“ unterbrach ihn der junge Mann mit ironiſchem Ton.„Oh! mein lieber Meiſter, Sie, ein ſo mächtiger Philoſoph, Sie behaupten eine ſolche Theſe... Oh! ich kenne die Energie und die Gewandtheit Ihrer Paradoren, doch dieſes laſſe ich Ihnen nicht hingehen.“
Der Greis ſchüttelte den Kopf.
„Und überdies,“ fügte der junge Mann bei,„warum


