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Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 25.-27. Bändchen (1848) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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es muß meinem Sohn gleichen; behalten Sie es, Doctor, damit es zuweilen von dem Kind ſpricht, das Sie an das Tageslicht gebracht haben, und von der Mutter, die durch Ihre Sorge gerettet worden iſt.“

Nach dieſen Worten vollendete Andrée, ohne ſelbſt gerührt zu werden, ihre Anſtalten zur Reiſe, und Abends um ſechs Uhr trat ſie, ohne daß ſie es wagte, den Kopf zu erheben, durch die Pforte des Kloſters von Saint⸗ Denis ein, an deſſen Gitter Philipp, unfähig, ſeine Er⸗ ſchütterung zu bemeiſtern, ihr ein vielleicht ewiges Lebe⸗ wohl ſagte.

Ploͤtzlich verließen die Kräfte die arme Andrée, und ſie kehrte haſtig und mit offenen Armen zu ihrem Bruder zurück; auch er ſtreckte ſeine Arme gegen ſie aus; ſie trafen zuſammen trotz des kalten Hinderniſſes, das ihnen das Gitter entgegenſtellte, und auf ihren brennenden Wangen vermengten ſich ihre Thränen.

„Lebe wohl!“ flüſterte Andrée, deren Schmerz in Schluchzen ausbrach.

„Lebe wohl!“ erwiederte Phllipp, ſeine Verzweiflung erſtickend.

„Wenn Du je meinen Sohn wiederfindeſt, geſtatte es nicht, daß ich ſterbe, ohne ihn umarmt zu haben,“ ſagte Andrée ganz leiſe.

„Sei unbeſorgt... Gott befohlen!“

Andrée entriß ſich den Armen ihres Bruders und entfernte ſich, unterſtützt von einer Lalenſchweſter, indem ſie beſtändig in der tiefen Finſterniß des Kloſters nach ihm ſchaute. So lange ſie ihn ſehen konnte, machte ſie ihm Zeichen mit dem Kopf, dann mit ihrem Sacktuch, das ſie ſchwang. Endlich empfing er ein letztes Lebewohl, welches ſie ihm vom Hintergrund des dunklen Weges zuwarf. Und eine eiſerne Thüre ſiel mit einem unheimlichen Geräuſch zwiſchen ſie, und Alles war vorbei.

Philipp nahm die Poſt in Saint⸗Denis ſelbſt; ſeinen Mantelſack auf dem Kreuz des Pferdes, eilte er die ganze Nacht, den ganzen folgenden Tag fort, und kam im Havre in