—&—————
— lolᷣ 8—
173
CLXV. d An Bord.
Von dieſem Augenblick war das Haus von Andrée ſchweigſam und düſter wie ein Grab.
Die Nachricht von dem Tod ihres Sohnes hätte Andrée vlelleicht getödtet. Es wäre einer von jenen dumpfen, langſamen Schmerzen geweſen, welche beſtändig unter⸗ graben. Der Brief von Gilbert war ein ſo heftiger Schlag, daß er übermäßig in der edlen Seele von Andrée Alles aufregte, was darin an Kräften und angreifenden Ge⸗ fühlen blieb.
Wieder zu ſich gekommen, ſuchte ſie mit den Blicken ihren Bruder, und der Zorn, den ſie in ſeinen Augen las, war eine neue Quelle des Muthes für ſie.
Sie wartete, bis ihre Kräfte genug wiederhergeſtellt waren, daß ihre Stimme nicht mehr zitterte; dann nahm ſie die Hand von Philipp und ſagte:
„Mein Bruder, Du ſprachſt dieſen Morgen vom Kloſter von Saint⸗Denis, wo mir die Frau Dauphine eine Zelle bewilligt hat.“
„Ja, Andrée.“
„Du wirſt mich noch heute dahin führen, wenn es Dir beliebt?“ S
„Ich danké⸗ meine Schweſter.“
„Sie, Doctor,“ fuhr Andrée fort,„für ſo viel Güte, Aufopferung, Menſchenfreundlichkeit wäre ein Dank eine unfruchtbare Belohnung. Ihr Lohn, Doctor, kann ſich nicht auf der Erde finden.“
Sie ging auf ihn zu, küßte ihn und ſprach:
„Dieſes kleine Medaillon enthält mein Bildniß, das
meine Mutter machen ließ, als ich zwei Jahre alt war; Denkwürdigkeiten eines Arztes. VII. 12


