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leicht andere Abſichten mit Dir hatte; Gott, der ohne Zweifel urtheilte, die Gegenwart dieſes Kindes an Deiner Seite wäre eine unverdiente Strafe...“
„Aber...“ ſeufzte die arme Mutter,„aber warum hat Gott dieſes unſchuldige Geſchöpf leiden laſſen?“ 3
„Gott hat es nicht leiden laſſen, mein Kind,“ erwie⸗ derte der Doctor;„es iſt in der Nacht ſeiner Geburt ge⸗ ſtorben... Beklagen Sie es nicht mehr, als den Schatten, der vorüberzieht und verſchwindet.“
„Seine Schreie, die ich hörte?..
„Waren ſein Abſchied vom Leben.“
Andrée verbarg ihr Geſicht in ihren Händen, wäh⸗ rend die zwei Männer, ihre Gedanken in einen beredten Blick vermengend, ihrer frommen Liſt Beifall ſpendeten.
Plötzlich kehrte Marguerite, einen Brief in der Hand, zurück... Dieſer Brief war an Andrée gerichtet, und die Aufſchrift lautete wie folgt:
„An Fräulein Andrée von Taverney, Rue Cog⸗Héron, die erſte Thüre nach Rue Plaſtriére.“
Philipp zeigte ihn dem Doctor über dem Kopf von Andrée, welche nicht mehr weinte, aber in ihre Schmerzen verſunken war.
„Wer kann ihr hierher ſchreiben,“ dachte Philipp; „Niemand kennt ihre Adreſſe, und die Handſchrift iſt nicht die unſeres Vaters.“
„Geben Sie ihr den Brief,“ unterbrach ihn der Doctor,„das wird eine Zerſtreuung für die tiefe Träu⸗ merei ſein, die mich beunruhigt.“
„Hier iſt ein Brief für Dich, Andrée,“ ſagte Philipp.
Ohne zu überlegen, ohne zu widerſtehen, ohne ſich zu
wundern, zerriß Andrée den Umſchlag und entfaltete,
nachdem ſie ihre Augen getrocknet, das Papier, um zu leſen; doch kaum hatte ſie die drei Zeilen durchlaufen, aus denen der Brief beſtand, als ſie einen gewaltigen Schrei ausſtieß, wie eine Wüthende auffuhr und, während ihre Arme und ihre Füße in einem furchtbaren Krampf


