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heß Gott zu lebhafte Anhänglichkeit an das Geſchöpf ver⸗ etet.“
„Ja, meine Schweſter,“ fügte Philipp bei.
„Doctor, Gott verbietet einer Mutter nicht, ihren Sohn lebhaft zu lieben, wie ich glaube.“
„Verzeihen Sie mir, meine Tochter, der Phlloſoph, der Arzt verſucht es, den Abgrund zu ermeſſen, den der Theolog für die menſchlichen Leidenſchaften gräbt. Bei jeder Vorſchrift, welche von Gott kommt, ſuchen Sie die Urſache, nicht die moraliſche, denn das iſt zuweilen eine Subtilität der Vervollkommnung, ſuchen Sie den materiel⸗ len Grund. Gott verbietet einer Mutter, ihr Kind über⸗ mäßig zu lieben, weil das Kind eine ſchwächliche, zarte, allen Uebeln, allen Leiden ausgeſetzte Pflanze iſt, und weil ein ephemeres Geſchöpf lebhaft lieben ſich der Verzweiflung ausſetzen heißt.“
„ Doctor, warum ſagen Sie mir das? Und Du, Phi⸗ lipp, warum ſchauſt Du mich mit dieſem Mitleid, mit dieſer Bläſſe an?“
„Liebe Andrée,“ erwiederte der junge Mann,„befolge meinen Rath, den Rath eines zärtlichen Freundes; Deine Geſundheit iſt wiederhergeſtellt, tritt ſobald als möglich in das Kloſter von Saint⸗Denis ein.“
„Ich!... Ich habe Dir geſagt, daß ich meinen Sohn nicht verlaſſen werde.“
„So lang er Ihrer bedürfe,“ ſprach der Doctor mit ſanftem Ton.
„Mein Gott!“ rief Andrée,„was iſt es? ſprechen Sie; etwas Trauriges... Grauſames?“
„Nehmen Sie ſich in Acht,“ flüſterte der Doctor Phi⸗ lipp zu;„ſie iſt noch zu ſchwach, um einen entſcheidenden
Schlag zu ertragen.“
„Mein Bruder, Du antworteſt nicht; erkläre Dich.“
„Liebe Schweſter, Du weißt, daß ich auf der Rück⸗ kehr durch Point⸗du⸗Jour gekommen bin, wo Dein Sohn bei einer Amme iſt.“
„Ja... und?


