13
Erſcheinung des düſteren Geſpenſtes, das er heraufbeſchwor, verurſachte ihm keine Angſt.
„Es wird immer noch Zelt ſein, an den Tod zu denken, wenn alle Mittel erſchöpft find,“ ſprach er zu ſich ſelbſt.„Ueberdies iſt es eine Feigheit, ſich zu tödten, wie Herr Rouſſeau ſagt; leiden iſt edler.“
Bei dieſem Paradoxron erhob Gilbert das Haupt und. fing wieder an in den Garten umherzuirren.
Er war im erſten Schimmer der Sicherheit begrif⸗ fen, als ploͤtzlich Philipp durch ſeine Ankunft alle ſeine Ideen niederwarf und ihn in eine neue Reihe von Verle⸗ genheiten und Bangigkeiten ſtürzte.
Der Bruder! der Bruder herbeigerufen, es war alſo ganz richtig! Die Famille war entſchloſſen, zu ſchweigen, aber mit allen den Nachforſchungen, mit dem ſcharfen Nachſpüren, mit den peinlichen Umſtänden, welche für Gilbert die ganze Bedeutſamkeit des Folterapparats der Conciergerie, des Chatelet und der Tournelles hatten. Man würde ihn vor Andrée ſchleppen, man würde ihn nöthigen, niederzuknieen, demüthig ſein Verbrechen zu be⸗ kennen und ihn wie einen Hund mit dem Stock oder mit dem Meſſer tödten. Eine geſetzliche Rache, deren Straf⸗ loſigkeit zum Voraus in einer Menge vorhergehender Abenteuer lag.
Koͤnig Ludwig XV. zeigte ſich ſehr nachſichtig gegen den Adel bei ſolchen Veranlaſſungen.
Und dann war Philipp der furchtbarſte Rächer, den Fräulein von Taverney hätte herbeirufen können; Philipp, der einzige der Familie, der für Gilbert Gefühle eines Menſchen, und beinahe eines Gleichgeſtellten geäußert hatte, würde Philipp den Schuldigen nicht ebenſo ſicher ne einem Wort, als mit dem Eiſen tödten, wäre dieſes
ort:
„Gilbert, Du haſt unſer Brod gegeſſen, und Du entehrſt uns!“
Wir haben auch Gilbert bei der erſten Erſcheinung Denkwürdigkeiten eines Arztes. VII. 2


