„Niemand hat Dir geſchrieben?“ „Niemand.“
„Kein Mann hat Dir geſagt, er liebe Dich?“
„Keiner.“
„Die Frauen haben hiefür einen merkwürdigen In⸗ ſtinct; haſt Du in Ermangelung von Briefen, in Ermange⸗ lung eines Geſtändniſſes bemerkt, daß Einer nach Dir... begehrte?“
„Ich habe nie dergleichen bemerkt.“
„Liebe Schweſter, ſuche in den Umſtänden Deines Lebens, in den geheimſten Einzelnheiten.“
„Leite mich.“
„Haſt Du einen Spaziergang allein gemacht?“
„Nie, ſo viel ich mich erinnere, wenn nicht um zur Frau Dauphine zu gehen.“
„Wenn Du Dich in den Park, in den Wald begabſt?“
„Nicole begleitete mich immer.“
„Ah! was Nicole betrifft, ſie hat Dich verlaſſen?“
„Ja.“
„An welchem Tag?“
„Am Tag Deiner Abreiſe, wie ich glaube.“
„Es war ein Mädchen von verdächtigen Sitten. Haſt vun einzelnen Umſtände ihrer Flucht erfahren? Suche wohl.“ „Nein, ich weiß nur, daß ſie mit einem jungen Mann weggegangen iſt, der ſie liebte.“
„Was war Deine letzte Beziehung zu dieſem Mädchen?“
„Oh! mein Gott, gegen neun Uhr trat ſie wie ge⸗ wöhnlich in mein Zimmer; ſie kleidete mich aus, ſie be⸗ reitete mir mein Zuckerwaſſer und ging wieder weg.“
„Du haſt nicht bemerkt, daß ſie irgend Etwas in dieſes Waſſer miſchte?“.
Nein; überdies hätte dieſer Umſtand keine Wichtig⸗ eeit, denn ich erinnere mich, daß ich in dem Augenblick,
woo ich das Glas an meine Lippen ſetzte, eine ſeltſame
Empfindung hatte.“ „Welche?“
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