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haſt Du mich ſchändlich genannt; ja, ja, ich verzeihe Dir; doch ich werde Dir nicht verzeihen, wenn Du mich für ſo gottlos, für ſo niederträchtig hältſt, daß Du glaubſt, ich könnte Dir einen falſchen Eid ſchwoͤren. Ich ſchwoͤre Dir, Philipp, bei dem Gott, der mich hört, bei der Seele mei⸗ ner Mutter, die mich leider, wie es ſcheint, nicht genug beſchützt hat; ich ſchwoͤre Dir bei meiner glühenden Liebe für Dich, daß nie ein Liebesgedanke meine Vernunft irrege⸗ leitet, daß nie ein Mann zu mir geſagt hat:„„Ich liebe Dich;““ daß nie ein Mund meine Hand geküßt hat; daß ich rein an Geiſt, jungfräulich an Wünſchen bin, und dies wie am Tage meiner Geburt... Nun, Philipp, nun nehme Gott meine Seele, Du haſt meinen Leib in Deinen Händen.“
„Es iſt gut,“ ſprach Philipp nach langem Stillſchwei⸗ gen,„es iſt gut, Andrée, ich danke Dir. Nun ſehe ich klar bis in die Tiefe Deines Herzens. Ja, Du biſt rein, unſchuldig, theures Opfer; doch es gibt Zaubertränke, ver⸗ giftete Liebestränke; es wird Dir einer eine ſchändliche Falle geſtellt haben; was der Lebenden Niemand hätte entreißen konnen, wird man Dir während Deines Schlafes geraubt haben. Du biſt in eine Falle gerathen, Andrée; doch nun ſind wir einig und folglich ſtark. Nicht wahr, Du wirſt mir die Sorge für Deine Ehre und die Deiner Rache anvertrauen?“
„Oh! ja, ja,“ ſprach Andrée mit einem düſteren Feuer;„ja, ja, denn wenn Du mich rächſt, wirſt Du mich wegen eines Verbrechens rächen!“
„Wohl!“ fuhr Philipp fort,„hilf mir, unterſtütze mich. Suchen wir mit einander, ſteigen wir Stunde für Stunde die abgelaufenen Tage hinauf, folgen wir dem hülflichen Faden der Erinnerung, und bei dem erſten Kno⸗ ten dieſes dunklen Gewebes...“
„Oh! das will ich, das will ich, laß uns ſuchen.“
„Sprich, haſt Du Einen bemerkt, der Dir folgte,
Ddich belauerte?“
„Nein.“ Denkwürdigkeiten eines Arztes. VI. 18


