272
mag, wird mir heilig ſein, und wäre es mein grauſamſter Feind, wäre es der Letzte der Menſchen. Doch ich habe keinen Feind, Andrée; doch Du biſt ſo edlen Herzens und Geiſtes, daß Du Deinen Geliebten gut gewählt haben mußt. Ich werde den Mann Deiner Wahl aufſuchen, ich werde ihn meinen Bruder nennen. Du ſagſt nichts; eine Heirath zwiſchen Dir und ihm iſt alſo unmöglich? Willſt Du das ſagen? Gut! es ſei, ich werde mich fügen, ich werde meinen ganzen Schmerz für mich behalten, ich werde dieſe gebieteriſche Stimme der Chre, welche Blut fordert, erſticken. Ich verlange nichts mehr von Dir, nicht einmal mehr den Namen dieſes Mannes. Es ſei, dieſer Mann hat Dir gefallen, er iſt mir theuer. Nur werden wir Frankreich verlaſſen und mit einander fliehen. Der Köͤnig hat Dir, wie man mir ſagt, einen reichen Schmuck geſchenkt; wir verkaufen ihn; wir ſchicken die Hälfte des Preiſes unſerem Vater. Mit der anderen Hälfte leben wir unbekannt; ich werde dann Alles für Dich ſein, Andrée. Du wirſt Alles für mich ſein. Ich, ich liebe Niemand; Du ſiehſt, daß ich Dir ergeben bin. Andrée, Du ſiehſt, was ich thue; Du ſiehſt, daß Du auf meine Freundſchaft rechnen kannſt; ſprich, wirſt Du mir nach dem, was ich Dir geſagt habe, abermals Dein Vertrauen verweigern? Sprich, wirſt Du mich nicht Deinen Bruder nennen?“
Andrée hatte Alles, was der junge Mann geſagt, ſtillſchweigend angehört. Nur das Schlagen ihres Herzens allein bezeichnete das Leben, nur ihr Blick deutete die Vernunft an.
„Philipp,“ erwiederte ſie nach einem langen Still⸗ ſchweigen,„Du dachteſt, ich liebe Dich nicht, armer Junge; Du dachteſt, ich habe einen andern Mann geliebt; Du dachteſt, ich habe das Geſetz der Chre vergeſſen, ich, die ich ein Mädchen von edlem Blute bin und begreife, welche Pflichten dieſes Wort hinſichtlich der Verirrungen aufer⸗ legt!... ie Freund, ich verzeihe es Dir; ja, ja, vergebens haſt
u mich für ehrlos gehalten, vergebens
eA Ŕe SnAeee be
——


