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„Verzeihen Sie, mein Fräulein, laſſen Sie mich vollenden.“
Andrée machte eine Geberde, welche Geduld, oder vielmehr Reſignation andeutete.
„Es iſt alſo natürlich,“ fuhr der Doctor fort,„daß Sie, den Schmerz des jungen Mannes bemerkend und ſeinen Zorn ahnend, hartnäckig Ihr Geheimniß bewahr⸗ ten; doch mir gegenüber, mein Fräulein, der ich, glauben Sie es mir, ebenſo ſehr der Arzt der Seelen, als der des Körpers bin, mir gegenüber, der ich ſehe und weiß, der ich Ihnen folglich die Hälfte des peinlichen Weges der Enthüllung erſpare, kann ich mit Recht mehr Offenherzig⸗ keit erwarten.“
„Mein Herr,“ erwiederte Andrée,„hätte ich nicht das Geſicht meines Bruders ſich verfinſtern und den Cha⸗ rakter eines wahren Schmerzes annehmen ſehen, befragte ich nicht Ihr ehrwürdiges Aeußeres und den Ruf des Ernſtes, in dem Sie ſtehen, ſo würde ich glauben, Sie ſeien Beide mit einander übereingekommen, eine Komödie auf meine Koſten zu ſpielen und mich in Folge der Con⸗ ſultation bewogen durch die Furcht, die Sie mir einge⸗ flößt, eine ſehr ſchwarze und ſehr bittere Arznei nehmen zu laſſen.“.
Die Stirne faltend ſprach der Doctor:
„Mein Fräulein, ich flehe Sie an, verharren Sie nicht auf dieſem Wege der Verſtellung.“
„Der Verſtellung!“ rief Andrée.
„Iſt es Ihnen lieber, wenn ich ſage Heuchelei?“ 8„Mein Herr, Sie beleidigen mich!“ rief das Mäd⸗
hen.
„Sagen Sie, ich errathe Sie.“
„Mein Herr!“
Andrée ſtand auf; doch der Doctor nöthigte ſie ſachte, ſich wieder zu ſetzen.
„Nein“ fuhr er fort,„nein, mein Kind, ich beleidige Sie nicht, ich diene Ihnen; und wenn ich Sie überzeuge, rette ich Sie!... Es werden mich alſo weder Ihr zorni⸗


