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Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 21.-24. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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263 Andrée bebte: in der Lage, in der ſie ſich befand,

wurde Alles für ſie ein Ereigniß.

Wer kommt da? fragte ſie.

Der Doctor Louis wahrſcheinlich, antwortete Philipp.

In demſelben Augenblick öffnete ſich die Thüre, und der von Philipp mit ſo viel Angſt erwartete Arzt trat in der That in das Zimmer ein.

Es war, wie geſagt, einer von den ernſten, redlichen Männern, für welche die Wiſſenſchaft ein Prieſterthum iſt, deſſen Geheimniſſe ſie mit religlöſer Ehrfurcht ſtudiren.

In dieſer ganz materialiſtiſchen Zeit ſuchte der Doctor Louis, eine ſeltene Erſcheinung, unter den Krankheiten des Körpers die Krankheiten der Seele zu entdecken; er ſchritt geradezu und rückſichtslos auf dieſem Wege fort, kümmerte ſich wenig um Gerüchte und Hinderniſſe, und ſparte ſeine Zeit, dieſes Erbtheil der emſigen Leute, mit einem Geize, der ihn oft gegen die Müßigen und Schwätzer grob wer⸗ den ließ.

Deshalb hatte er Philipp bei ihrem erſten Zuſam⸗ mentreffen auf eine ſo ungeſchlachte Weiſe behandelt; er hatte ihn für einen von jenen nur mit galanten Aben⸗ teuern beſchäftigten Höflingen gehalten, die dem Arzt ſchmei⸗ cheln, um ſich Complimente über ihre Liebesheldenthaten machen zu laſſen, und die ganz ſtolz darauf ſind, daß ſie eine Verſchwiegenheit zu bezahlen haben. Sobald ſich aber die Medaille drehte und der Doctor ſtatt des mehr oder minder verliebten Gecken das düſtere und bedrohliche Antlitz des Bruders erſcheinen ſah; ſobald an der Stelle einer Unannehmlichkeit ein Unglück ſichtbar wurde, fühlte ſich der philoſophiſche Arzt bewegt, und bei den letzten Worten von Philipp ſagte der Doctor zu ſich ſelbſt:

Ich konnte mich nicht nur täuſchen, ſondern ich wollte, ich hätte mich getäuſcht.

Deshalb hatte er dann auch, ſelbſt ohne die dringende Bitte von Philipp, Andrée nn eſuchen beſchloſſen, um ſich durch eine ſchärfere, entſcheidendere Prüfung über die

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