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„Ja, ja, ich ſehe eines,“ erwiederte Philipp,„Du liebſt Jemand?“„
„Ich!“ rief vas Mädchen mit einem ſo natürlichen Erſtaunen, daß die geſchickteſte Komödiantin ſicherlich nicht im Stande geweſen wäre, den Ton dieſes einzigen Wortes nachzuahmen.
Und ſie lachte abermals.
„Ich liebe Jemand?“ verſetzte ſie.
„Dann liebt man Dich?“
„Meiner Treue, das iſt ſchlimm, denn in Betracht, daß ſich die unbekannte Perſon nie gezeigt und folglich nie erklärt hat, iſt dies eine rein verlorene Liebe.“
Nun, da er ſeine Schweſter mit ſo viel Treuherzigkeit über dieſe Frage lachen und ſcherzen ſah, da er das ſo durchſichtige Blau ihrer Augen, ihre ſo unſchuldsvolle, ſo reine Haltung wahrnahm, ſagte ſich Philipp, der das Herz von Andrée mit einer gleichmäßigen Bewegung an ſeinem Herzen ſchlagen fühlte, ein Monat Abweſenheit könne keine ſolche Veraͤnderung im Charakter eines tadel⸗ loſen Mädchens hervorbringen; der Verdacht gegen die arme Andrée ſei unwürdig, die Wiſſenſchaft lüge; er geſtand ſich, der Doctor Louis habe eine Entſchuldigung, da er weder die Reinheit, noch die trefflichen Inſtincte von Andrée kenne, da er glauben dürfe, ſie gleiche allen den adeligen Mädchen, welche, geblendet durch unwürdige Beiſpiele oder fortgeriſſen durch die frühreife Hitze eines verdorbenen Blutes, der Jungfrauſchaft ohne Bedauern, ohne Stolz entſagen.
Ein letzter Blick, den er auf Andrée warf, erklärte Philipp die Fehlbarkeit des Doctors, und er fühlte ſich über ſeine Erklärung ſo glücklich, daß er ſeine Schweſter umarmte wie jene Märtyrer, die, indem ſie die Reinheit der Jungfrau Maria bekannten, zugleich auch ihren Glauben an ihren göttlichen Sohn bekannten.
In der Zeit dieſer Wogungen ſeines Innern hoͤrte Philipp auf der Treppe die Tritte des Doctor Louis, der getreu ſeinem Verſprechen im Hauſe erſchten.


