Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 21.-24. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Doch wenn ich, durch Dich ermuthigt, mit zu vlel Schärfe ſpreche, wenn ich die Roͤthe auf Deiner Stirne hervorrufe, wenn ich die Scham auf Deinem Herzen laſten mache, dann ſchreibe es nur Dir ſelbſt zu, Dir, die Du mich durch ungerechtes Mißtrauen genöthigt haſt, bis im Grunde Deiner Seele zu wühlen, um ihr Dein Ge⸗ heimniß zu entreißen.

Thue es, Philipp, und ich ſchwöre Dir, daß ich Dir nicht über das, was Du thun wirſt, grollen werde.

Philipp ſchaute ſeine Schweſter an, ſtand ganz be⸗ wegt auf und ging mit großen Schritten im Zimmer auf und ab. Es war zwiſchen der Anſchuldigung, die er in ſeinem Innern gegen ſie erhob, und der Ruhe des Mäd⸗ chens ein ſo ſeltſamer Widerſpruch, daß er nicht wußte, bei welchem Gedanken er beharren ſollte.

Andrée ſchaute ihrerſeits ihren Bruder mit Erſtaunen an und erkaltete allmälig in der Berührung dieſer Feier⸗ lichkeit, welche ſo ſehr von dem ſanften brüderlichen An⸗ ſehen verſchieden war.

Ehe Philipp wieder das Wort genommen hatte, ſtand Andrée ebenfalls auf und ſchlang ihren Arm um den ihres Bruders.

Dann blickte ſie ihn mit unausſprechlicher Zärtlichkeit an und ſagte:

Höre, Philipp, ſchaue mich an, wie ich Dich an⸗ ſchaue!

Oh! ſehr gern, erwiederte der junge Mann, ſeine glühenden Augen auf Andrée heftend;was willſt Du mir ſagen?

Ich will Dir ſagen, Philipp, daß Du immer ein wenig eiferſüchtig auf meine Freundſchaft geweſen biſt; das iſt ganz natürlich, da ich meinerſeits eiferſüchtig auf Deine Bemühungen und Deine Zuneigung war; nun! ſchaue mich an, wie ich Dir geſagt habe.

Das Mädchen lächelte.

Siehſt Du ein Geheimniß in meinen Augen? fuhr ſie fort. 3