Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 21.-24. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Meine Schweſter, ſprach Philipp,ſeit Deiner Geburt haſt Du mich für Deinen beſten Freund gehalten; ich habe Dich meinerſeits als meine einzige Freundin be⸗ trachtet; Du weißt, nie verließ ich Dich den Spielen

meiner Kameraden zu Liebe. Wir ſind mit einander groß

geworden und nichts hat unſer blindes gegenſeitiges Ver⸗ trauen geſtört; Andrée, warum mußteſt Du Dich ſeit einiger Zeit ſo ohne alle Gründe und zuerſt gegen mich verändern?

Ich habe mich gegen Dich verändert, Philipp? Er⸗ kläre Dich. In der That, ich begreife nichts von dem, was Du mir ſagſt, ſeitdem Du zurückgekommen biſt.

Ja, Andrée, ſprach der junge Mann, während er ſie an ſeine Bruſt preßte;ja, meine ſüße Schweſter, die Leidenſchaften der Jugend ſind auf die Neigungen der Kindheit gefolgt, und Du haſt mich nicht mehr gut oder nicht mehr ſicher genug gefunden, um mir Dein von der Liebe bewältigtes Herz zu zeigen.

Mein Bruder, mein Freund, erwiederte Andrée immer mehr erſtaunt,was ſagſt Du mir denn da? Was ſprichſt Du denn zu mir von Liebe?

Andrée, ich greife muthig eine Frage voll Gefahr für Dich, voll Bangigkeit für mich ſelbſt an. Ich weiß wohl, daß ich mich in Deinem Geiſt zu Grunde richte, wenn ich mir Dein Vertrauen in dieſem Augenblick erbitte oder es von Dir fordere; doch ich will lieber, und glaube mir, es iſt grauſam für mich, dies zu ſagen, ich will lieber fühlen, daß Du mich weniger liebſt, als Dich dem Unglück bloßgeſtellt laſſen, welches Dich bedroht, einem furchtbaren

Unglück, wenn Du in dem Stillſchweigen verharrſt, das

ich beklage und deſſen ich Dich einem Bruder, einem Freund gegenüber nicht für fähig gehalten hätte. Mein Bruder, mein Freund, ſagte Andrée, vich ſchwoͤre Dir, daß ich Deine Vorwürfe durchaus nicht be⸗ reife. 4Andrée, ſoll ich ſie Dir begreiflich machen 2 Ohl ja, gewiß.