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„Ich frage Dich, Andrée, ob Du mich immer noch liebeſt, wie in unſerer Jugendzelt?“
„Oh! Philipp! Philipp!“
„Ich bin alſo für Dich eines der koſtbarſten Weſen, die Du auf Erden haſt?“.
„Ohl! das koſtbarſte, das einzige,“ rief Andrée.
Dann fügte ſie erröthend und verwirrt bei:
„Entſchuldige, Philipp, ich vergaß..“
„Nicht wahr, unſer Vater, Andrée?“
Philipp nahm ſeine Schweſter bei der Hand und ſprach, indem er ſie zärtlich anſchaute:
„Andrée, glaube nicht, daß ich Dich je tadeln würde, wenn Dein Herz eine Zuneigung in ſich ſchlöße, welche weder die Liebe wäre, die Du für Deinen Vater hegſt, noch die, die Du für mich haſt...“
Dann ihr näher rückend, fuhr er fort:
„Du biſt in einem Alter, Andrée, wo das Herz der Mäd⸗ chen lebhafter zu ihnen ſpricht, als ſie es ſelbſt wollen, und Du weißt, eine göttliche Vorſchrift gebietet dem Weibe Vater und Mutter zu verlaſſen, um dem Mann zu folgen.“
Andrée ſchaute Philipp einen Augenblick an, als ſpräche er eine fremde Sprache, die ſie gar nicht verſtünde.
Dann lachte ſie mit einer Naivetät, die nichts wie⸗ derzugeben vermöchte, und rief:
„Mein Mann! haſt Du nicht von meinem Mann geſprochen, Philipp? Ei! mein Gott! er muß noch ge⸗ boren werden, oder ich kenne ihn wenigſtens nicht.“
Bewegt durch dieſen ſo wahren Ausruf von Andrée, näherte ſich ihr Philipp, ſchloß ihre Hand in die ſeinigen und ſagte:
„Ehe man einen Mann hat, meine gute Andrée, hat man einen Bräutigam, einen Geliebten.“
Andrée ſchaute Philipp ganz erſtaunt an und duldete es, daß der junge Mann ſeine gierigen Augen bis in die Tiefe ihres klaren jungfräulichen Blickes tauchte, in dem ſich ihre ganze Seele ſpiegelte.


