256
verlangen, daß ich glauben ſoll, beweiſen Sie wenigſtens, beweiſen Si e.“
„Gott befohlen, mein Herr.“
„Doctor!“ rief Philipp in Verzweiflung.
„Nehmen Sie ſich in Acht, wenn Sie mit dieſer Heftigkeit ſprechen, werden Sie bekannt machen, was ich Jedermann zu verſchweigen mir gelobt hatte, und was ich gern auch vor Ihnen verborgen hätte.“
„Ja, ja, Sie haben Recht, Doctor,“ ſagte Philipp mit ſo leiſer Stimme, daß der Hauch erſtarb, wie er von ſeinen Lippen kam;„doch die Wiſſenſchaft kann ſich täu⸗ ſchen, und Sie geſtehen, daß Sie ſich ſelbſt zuweilen ge⸗ täuſcht haben.“
„Selten, mein Herr,“ erwiederte der Doctor;„ich bin ein Mann von ernſten Studien, und mein Mund ſagt nicht ja, ſagen nicht meine Augen und mein Geiſt: ich habe geſehen, ich weiß, ich bin ſicher. Ja, gewiß, Sie haben Recht, mein Herr, zuweilen konnte ich mich täu⸗ ſchen, wie ſich jedes ſchwache Geſchöpf täuſcht; doch aller W abrſtheinchtzſ nach iſt es diesmal nicht der Fall. Ruhe, mein Herr, und trennen wir uns.“
Aber Philipp konnte ſich nicht ſo fügen; er legte
ſeine Hand auf den Arm des Doctors mit einer Miene
ſo tiefen Flehens, daß dieſer ſtehen blieb.
„Eine letzte Bitte, mein Herr,“ ſagte Philipp;„Sie ſehen, in welcher Verwirrung ſich mein Geiſt befindet; ich fühle etwas wie Wahnſinn in mir; um zu wiſſen, ob ich leben oder ſterben ſoll, bedarf ich einer Beſtätigung der Wirklichkeit, die mich bedroht. Ich kehre zu meiner Schweſter zurück, ich werde nur mit ihr ſprechen, wenn Sie ſie noch einmal geſehen haben... überlegen Sie..
„Es iſt Ihre Sache, zu überlegen, mein Herr, denn ich habe dem, was ich geſagt, kein Wort mehr beizu⸗ fügen.“
„Mein Herr, verſprechen Sie mir... mein Gott! das iſt eine Bitte, die der Henker dem Opfer nicht ab⸗ ſchlagen würde... verſprechen Sie mir, nach Ihrem


