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„Sie täuſchen ſich, mein Herr, ich habe bis jetzt nur unter meinem eigenen Schmerz und nicht unter dem eines Andern gelitten. Dieſe Prüfung fehlt mir und ich begreife, daß Sie mich dieſelbe ausſtehen laſſen wollen. Ja, Sie wollen zu mir ein Opfer, wie ich, bringen, das ich ab⸗ magern, bleich werden vor Schmerz, wie ich, verſcheiden ſehen werde, das ich, wie ich es gethan habe, an dieſe Wand, an dieſe Thüre ſchlagen ſehen werde, an dieſe ver⸗ haßte Thüre, die ich tauſendmal des Tags befrage, wie ſie ſich oͤffne, wenn ſie Ihnen Durchgang gewährt; und wenn das Opfer, meine Gefährtin, ihre Nägel am Mar⸗ mor und am Holz, um es zu ſprengen, oder eine Spalte zu bereiten, abgeſtumpft haben wird, wenn ſie, wie ich, ihre Augenlider mit ihren Thränen abgenutzt haben wird; wenn ſie todt ſein wird, wie ich todt bin und Sie zwei Leichname ſtatt eines haben, ſo werden Sie in Ihrer hölliſchen Güte ſagen:„„Dieſe zwei Kinder beluſtigen ſich; ſie leiſten ſich Geſellſchaft; ſie ſind glücklich.““ Oh! nein, nein, tauſendmal nein!“
Und ſie ſtampfte heftig mit dem Fuß auf den Boden.
Balſamo ſuchte ſie abermals zu beſchwichtigen.
„Sanft, ruhig,“ ſagte er;„ich bitte, laß uns ver⸗ nünftig ſein.“—
„Er verlangt Ruhe, er verlangt Vernunft von mir; der Henker verlangt Sanftmuth von dem armen Sünder, den er peinigt, Ruhe von dem Unſchuldigen, den er martert.“
„Ja, ich verlange Ruhe und Sanftmuth von Dir, denn Dein Zorn, Lorenza, ändert nichts an unſerem Schick⸗ ſal, es macht dasſelbe nur noch ſchmerzhafter. Nimm an, was ich Dir biete, Lorenza, ich gebe Dir ein Landgut, das die Sclaverei lieben wird, weil ihm dieſe Sclaverei Deine Freundſchaft gegeben hat. Du ſollſt nicht ein trau⸗ riges, klägliches Geſicht ſehen, wie Du es befürchteſt, ſon⸗ dern im Gegentheil ein Lächeln und eine Heiterkeit, die Deine Stirne entrunzeln werden. Auf, meine gute Lorenza,


