Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 21.-24. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Herr Graf!

Eine Perſon, die Sie einige Zeit vor dem Sturze des letzten Miniſteriums um Rath gefragt hat, und die ſchon lange zuvor Ihren Rath in Anſpruch genommen hatte, wird ſich heute bei Ihnen einfinden, um eine neue Con⸗ ſultation zu erhalten. Werden Ihnen Ihre zahlreichen Geſchäfte erlauben, dieſer Perſon eine halbe Stunde zwi⸗ ſchen vier und fünf Uhr Abends zu ſchenken?

Als er zum zweiten oder dritten Mal bis zum Ende geleſen hatte, verſank Balſamo wieder in ſein Nachſuchen. Es iſt nicht der Mühe werih, Lorenza über ſo Ge⸗ ringes um Rath zu fragen; weiß ich übrigens nicht ſelbſt zu errathen? Die Handſchrift iſt lang, ein Zeichen der Ariſtokratie; unregelmäßig und zitternd, ein Zeichen des Alters; voll von Schreibfehlern: das iſt von einem Hofmann.

Ah! ich Dummkopf, der ich bin, es iſt von dem Herrn Herzog von Richelieu. Gewiß werde ich eine halbe Stunde für Sie haben, Herr Herzog, eine Stunde, einen Tag. Nehmen Sie meine Zeit und machen Sie die Ihrige daraus. Sind Sie nicht, ohne es zu wiſſen, einer meiner geheimnißvollen Agenten, ciner meiner vertrauten Dämone? Verfolgen wir nicht dasſelbe Werk? Erſchüttern wir nicht die Monarchie durch eine und dieſelbe Anſtrengung, Sie, indem Sie ſich zu ihrer Seele, ich, indem ich mich zu ihrem Feinde mache?

Kommen Sie, Herr Herzog, kommen Sie.

Und Balſamo zog ſeine Uhr, um zu ſehen, wie lange er noch auf den Herzog zu warten hätte.

In dieſem Augenblick erklang ein Glöckchen im Kar⸗ nieß des Plafond. 1

Was gibt es denn? fragte Balſamo bebend;Lo⸗ renza ruft mich. Sie will mich ſehen. Sollte ihr etwas Unangenehmes widerfahren ſein? Oder wäre es einer von jenen Umſchlägen des Charakters, von denen ich ſchon ſo oft Zeuge und Opfer geweſen bin? Geſtern war ſie ſehr