———
*
15
„Was gibt es denn, mein Kind?“
„Der Herr Baron von Taverney und der Herr Herzog von Richelieu ſind ſo eben eingetroffen, um das Fräulein zu beſuchen.“
„Wo find ſie?“
„In der Wohnung des Fräuleins.
„Komm.“
Nicole folgte ihr, doch nicht ohne bei ihrem Abgang einen ironiſchen Blick auf Gilbert zu werfen, der, weniger bleich als leichenfarbig, weniger bewegt als wahnſinnig, weniger zornig als wüthend, die Fauſt in der Richtung der Allee, durch die ſich ſeine Feindin entfernte, ausſtreckte und er die Zähne fletſchend murmelte:
„Oh! Geſchopf ohne Herz, Leib ohne Seele! ich habe Dir das Leben gerettet, ich habe meine Liebe zuſammen⸗ gedrängt, ich habe jedes Gefühl ſchweigen gemacht, wel⸗ ches das verletzen konnte, was ich Deine Unſchuld nannte, denn für mich, in meinem Wahnſinn, warſt Du eine hei⸗ lige Jungfrau, wie es die Jungfrau im Himmel iſt... Nun habe ich Dich von Nahem geſehen, Du biſt nicht mehr als ein Weib, und ich bin ein Mann... Oh! früher oder ſpäter werde ich mich rächen, Andrée von Taverney; zweimal habe ich Dein Leben in meinen Hän⸗ den gehalten und zweimal habe ich Dich geſchont und geachtet; Andrée von Taverney, nimm Dich beim dritten
Male in Acht!... Auf Wiederſehen, Andrée!“ eun
Und er entfernte ſich durch das Gebüſch ſpringend, wie ein verwundeter junger Wolf, der ſich immer wieder
umdreht und ſeine ſcharfen Zähne und ſeinen blutigen Augenſtern zeigt.


