Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 21.-24. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Maſſe der Henker und der Opfer bedeckte ihn wie eine Woge und begrub ihn, während Sie, wie ein Engel der Auferſtehung, aus ſeinem Abgrund zum Himmel aufſtie⸗ en 44

Gilbert hatte ſich ganz und gar geoffenbart, nämlich wild, naiv, erhaben in ſeiner Entſchloſſenheit, wie in ſeiner Liebe. Trotz ihrer Geringſchätzung konnte auch Andrée nicht umhin, ihn mit Erſtaunen anzuſchauen. Einen Au⸗ genblick wähnte er, ſeine Erzählung ſei unwiderſtehlich ge⸗ weſen, wie die Wahrheit, wie die Liebe. Doch der arme Gilbert rechnete ohne die Ungläubigkeit, dieſes Mißtrauen des Haſſes. Andrée aber, welche Gilbert haßte, hatte ſich von keiner der ſiegreichen Beweisführungen dieſes verach⸗ teten Liebhabers erſchüttern laſſen. Anfangs antwortete ſie nichts; ſie ſchaute Gilbert an, und etwas wie ein Kampf entſpann ſich in ihrem Innern. 4

Der junge Mann, dem es bei dieſem eiſigen Still⸗ ſchweigen unwohl war, ſah ſich auch genöthigt, in Form eines Schlußes beizufügen:

Mein Fräulein, haſſen Sie mich nun nicht mehr ſo ſehr, als Sie es gethan haben, denn das wäre nicht nur Ungerechtigkeit, ſondern auch Undank, wie ich Ihnen vorhin geſagt habe, und wie ich Ihnen nun wiederhole.

Doch bei dieſen Worten hob Andrée ihren ſtolzen Kopf in die Höhe und ſprach mit dem Tone der grau⸗ ſamſten Gleichgültigkeit:.

Herr Gilbert, ich bitte, wie lange ſind Sie bei Herrn Rouſſeau in der Lehre geblieben?

Mein Fräulein, erwiederte Gilbert naiv,ich glaube, drei Monate, die Tage meiner Krankheit in Folge des Erſtickens am 21. Mai nicht zu rechnen.

Sie irren ſich, entgegnete ſie, nich bitte Sie nicht, mir zu ſagen, ob Sie in Folge von Erſtickung krank ge⸗ weſen oder nicht geweſen... das krönt vielleicht auf eine künſtliche Weiſe Ihre Erzählung; doch mir iſt wenig daran gelegen. Ich wollte Ihnen nur ſagen, daß Sie, da Sie ſich nur drei Monate bei dem berühmten Schrift⸗