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noch nicht auf. Er kreuzte die Arme über ſeiner Bruſt, behielt den feindſeligen und hartnäckigen Ausdruck ſeines Feuerblickes und wartete geduldig das Ende dieſes belei⸗ digenden Gelächters ab.
„Mein Fräulein,“ ſprach ſodann Gilbert kalt zu Andrée,„wollen Sie eine einzige Frage beantworten. Achten Sie Ihren Vater?“
„Ich glaube in der That, Sie fragen mich, Herr Gilbert?“ rief das Mädchen mit dem äußerſten Hochmuth.
„Ja, Sie achten Ihren Vater,“ fuhr Gilbert fort, „doch nicht wegen ſeiner guten Eigenſchaften, wegen ſeiner Tugenden; nein, ganz einfach, weil er Ihnen das Leben gegeben hat. Ein Vater, leider müſſen Sie das wiſſen, mein Fräulein, iſt nicht unter einem einzigen Titel achtens⸗ werth; doch dies iſt am Ende ein Titel. Mehr noch: für dieſe einzige Wohlthat des Lebens(Gilbert belebte ſich ebenfalls durch ein verächtliches Mitleid) für dieſe einzige Wohlthat find Sie verbunden, den Wohlthäter zu lieben. Wohl, mein Fräulein, iſt dies als Grundſatz feſt⸗ geſtellt, warum beleidigen Sie mich? Warum ſtoßen Sie mich zurück? Warum haſſen Sie mich, mich, der ich Sbhen allerdings das Leben nicht gegeben, aber gerettet habe?“
„Sie,“ rief Andrée,„Sie haben mir das Leben ge⸗ rettet?“.
„Ah! Sie haben nicht einmal daran gedacht, oder Sie haben es vielmehr vergeſſen; das iſt ſehr natürlich, denn es iſt bald ein Jahr. Wohl, mein Fräulein, dann muß ich Sie davon unterrichten, oder Sie daran erinnern. Ja, ich habe Ihnen das Leben gerettet, indem ich das meinige preisgab.“
„Herr Gilbert,“ ſprach Andrée ſehr bleich,„Sie werden wenigſtens die Güte haben, mir zu ſagen, wo und wann?“
„An dem Tag, mein Fräulein, wo hunderttauſend Perſonen einander erdrückten, als ſie vor wildbrauſenden Pferden, vor Säbeln, welche die Menge niedermähten,
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