Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 21.-24. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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um keines Menſchen Theilnahme, doch um die von Herrn Gilbert vielleicht noch weniger, als um die von irgend Je⸗ mand.

Mein Fräulein, ſagte Gilbert den Kopf ſchüttelnd, Sie haben Unrecht, daß Sie mich ſo hart behandeln; ich habe Sie traurig geſehen; ich habe mich darüber be⸗ trübt; ich habe Sie ſagen hören, wenn Herr Philipp ab⸗ gegangen, wären Sie allein auf der Welt: nein, nein, mein Fräͤulein, denn ich bin geblieben, und nie hat ein ergebeneres Herz für Sie geſchlagen. Nein, ich wieder⸗ hole, nie wird Fräulein von Taverney allein in der Welt ſein, ſo lange mein Kopf denken, ſo lange mein Herz ſchlagen, ſo lange mein Arm ſich ausſtrecken kann.

Gilbert war in der That ſchön an Stärke, Adel und Hingebung, während er dieſe Worte ſprach, obgleich er es mit der ganzen Einfachheit that, welche die wahrſte Ehr⸗ furcht heiſchte.

Doch es war einmal abgemacht, daß Alles an dieſem armen jungen Mann Auorée mißfallen, ſie beleidigen und zu verwundenden Erwiederungen antreiben ſollte, als wäre jede von ſeinen Kundgebungen der Ehrfurcht eine Ver⸗ letzung, jede von ſeinen Bitten eine Herausforderung ge⸗ weſen. Zuerſt wollte ſie aufſtehen, um eine härtere Ge⸗ berde mit einem freieren Wort zu finden; doch ein Ner⸗ venſchauer hielt ſie auf ihrer Bank zurück. Ueberdies bedachte ſie, daß ſie ſtehend in größerer Entfernung ge⸗ ſehen und zwar mit Gilbert ſprechend geſehen werden könnte. Sie blieb alſo auf ihrer Bank, denn einmal für allemal wollte ſie unter ihrem Fuß das Inſekt zertreten, das überläſtig wurde.

Andrée erwiederte daher:

Ich glaubte Ihnen ſchon geſagt zu haben, Herr

Gilbert, daß Sie mir ungemein mißfallen, daß Ihre

Stimme mich ärgere, daß ihre philoſophiſchen Manieren

meinen Widerwillen erregen. Warum, da ich Ihnen dies

geſagt habe, wollen Sie hartnäckig mit mir ſprechen? Mein Fräulein, erwiederte Gilbert bleich, aber an