Der Schmerz, der den Leib von Andrée ſchauern
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machte, hatte den ſeinigen geſchüttelt. Andrée fuhr alſo fort; ſie wollte das letzte Wort dieſer Erſcheinung haben. „Aber was haben Sie denn, Herr Gilbert?“ fragte ſie;„was ſchauen Sie mich denn mit dieſer ſo betrübten 1 Miene an? Es muß Sie etwas traurig machen; ſagen 8*
Sie, was macht Sie denn traurig?“
„Sie wünſchen es zu wiſſen?“ fragte ſchwermüthig Gilbert, der die unter dieſer ſcheinbaren Theilnahme ver⸗ borgenen Ironie fühlte. 3
„Iſt...—
„Nun! es macht mich traurig, Sie leiden zu ſehen, mein Fräulein,“ erwiederte Gilbert.
„Und wer hat Ihnen geſagt, daß ich leide, mein Herr?“
„Ich ſehe es.“
„Ich leide nicht, Sie täuſchen ſich, mein Herr,“ ſagte Andrée und fuhr zum zweiten Mal mit ihrem Sack⸗ † tuch über ihr Geſicht.
Gilbert fühlte, wie das Gewitter heranzog; er be⸗ ſchloß, es durch ſeine Demuth abzuwenden.
„Verzeihen Sie, mein Fräulein,“ ſprach er,„ich habe Ihre Klagen gehört.“
„Ah! Sie horchten... noch beſſer...“
„Mein Fräulein, es iſt der Zufall,“ ſtammelte Gilbert, denn er fühlte, daß er log. „ Der Zufall! Ich bin in Verzweiflung, Herr Gilbert, daß Sie der Zufall in meine Naͤhe geführt hat; doch ich 1 wiederhole, in welcher Hinſicht konnten Sie die Klagen, † die Sie hörten, traurig machen, ſagen Sie es mir, ich bitte Sie?“ 3
„Es iſt mir unmöglich, eine Frau weinen zu ſehen,“ erwiederte Gilbert mit einem Ton, der Andrée ganz un⸗ gemein mißfiel.
„Sollte ich zufällig eine Frau für den Herrn Gllbert ſein 2“ entgegnete das hochmüthige Mädchen.„Ich bettle
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