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CXVI. Der Roman von Gilbert.
Es war Gilbert, haben wir geſagt, eben ſo bleich, eben ſo troſtlos, eben ſo niedergeſchlagen, als Andrée.
Bei dem Anblick eines Fremden, denn von Anfang erkannte ſie ihn durch den Schleier der Thränen, der ihren Blick verdunkelte, nicht, trocknete Andrée vaſch ihre Augen, als errothete das ſtolze Mädchen darüber, daß es geweint hatte. Sie gab ſich im Gegentheil eine feſte Haltung und verlieh wieder die Unbeweglichkeit ihren bleichen Wangen, welche einen Augenblick zuvor noch der Schauer der Verzweiflung beben gemacht hatte.
Gilbert brauchte viel länger als ſie, um wieder Ruhe zu gewinnen, und ſeine Züge behielten den ſchmerzlichen Ausdruck, den Fräulein von Taverney, ſo bald ſie ihre Augen aufſchlug, in ſeiner Haltung und in ſeinem Blick wahrnehmen konnte.
„Ah! es iſt abermals Herr Gilbert,“ ſagte Andrée mit dem leichten Ton, den ſie jedes Mal annahm, ſo oft ſie glaubte, der Zufall bringe ſte in die Nähe des jungen Mannes.
Gilbert antwortete nichts; er war noch zu heftig be⸗ wegt.


