vernehmen, das für mich, beſonders ſeit unſerer Ankunft in Paris, eine ſüße Gewohnheit geworden iſt. Ich breche dieſe Kette, theure Freundin, oder man bricht ſie vielmehr,
und der Schlag macht ſich in meinem Herzen fühlbar.
Ich bin daher traurig, doch nur für den Augenblick. Ich, Andrée, ich ſehe über unſere Trennung hinaus; ich glaube nicht an ein Unglück, wenn nicht an das, daß wir uns einige Monate lang, ein Jahr vielleicht, nicht megg ſehen werden; ich füge mich darein, und ſage Dir nicht Lebe⸗ wohl, ſondern auf Wiederſehen.“
Trotz dieſer troͤſtlichen Rede antwortete Andrée nur durch Schluchzen und Thränen.
„Theure Schweſter,“ rief Philipp, als er den Aus⸗ druck dieſer Traurigkeit ſah, die ihm unbegreiflich vorkam, „theure Schweſter, Du haſt mir nicht Alles geſagt, Du verbirgſt mir Etwas; ſprich, in's Himmels Namen, ſprich!“.
Und er nahm ſie in ſeine Arme, zog ſie ganz nahe zu ſich heran, und drückte ſie an ſeine Bruſt, um in ihren Augen zu leſen.
„Mein Gott,“ ſagte ſie,„nein, nein, Philipp, ich ſchwöre es Dir, Du weißt Alles und haſt mein Herz in Deinen Händen.“
„Wohl, Andrée, ich bitte Dich, faſſe Muth, betrübe.
mich nicht ſo.“
„Du haſt Recht,“ ſagte ſie,„ich bin toll. Höre, ich
habe nie einen ſehr ſtarken Geiſt gehabt, Du weißt das
beſſer, als irgend Jemand, Philipp; ich habe immer be⸗
fürchtet, immer geträumt, immer geſeufzt; doch ich bin nicht berechtigt, mit meinen ſchmerzlichen Chimären einen
ſo zaͤrtlich geliebten Bruder zu verbinden, beſonders da er mich beruhigt und mir beweiſt, ich habe Unrecht mit mei⸗
ner Angſt. Du haſt Recht, Philipp, es iſt wahr, es iſt ſehr wahr; Alles iſt für mich hier vollkommen. Philipp, verzeihe mir; Du ſiehſt, ich trockne meine Augen, ich weine nicht mehr, ich lächle. Philipp, ich ſage Dir nicht mehr Lebewohl, ich ſage auf Wiederſehen.“ 3


