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Andrée verſtand, daß mit dieſen Worten Nicole ge⸗ meint war, welche die Scene mit einem Erſtaunen betrach⸗ tete, deſſen Beweggrund der außerordentliche Schmerz von Andrée ſein mochte.
In der That, der Abgang von Philipp, nämlich der eines Officiers nach ſeiner Garniſon, war keine Kataſtrophe, welche ſo viele Thränen verurſachen mußte.
Andrée begriff zugleich das Gefühl von Philipp und das Erſtaunen von Nicole; ſie nahm ein Mantelet, warf es auf ihre Schulter, führte ihren Bruder gegen die Treppe und ſagte zu ihm:
„Komm bis zum Gitter des Gartens, Philipp, ich werde Dich durch den bedeckten Gang zurückgeleiten. In der That, ich habe Dir ſehr viel zu ſagen, mein Bruder.“
Dieſe Worte waren für Nicole ein Befehl, abzu⸗ gehen; ſie ſchob ſich längs der Wand hin und kehrte in das Zimmer ihrer Gebieterin zurück, während dieſe mit Philipp die Treppe hinabging.
Andrée ſtieg die Treppe hinab, welche ſich an der Capelle vorbeizieht, und ſchritt durch den Ausgang, der noch heute in den Garten führt; doch obgleich beſtändig durch den unruhigen Blick von Philipp befragt, blieb ſie lange an ſeinem Arm hängen, ließ ſie ihren Kopf an ſeiner Schulter angelehnt, ohne ein Wort zu ſprechen.
Dann überwältigte es plötzlich ihr Herz, ihr Antlitz bedeckte ſich mit einer Todtenbläſſe, ein langes Schluch⸗
zen ſtieg zu ihren Lippen empor und Thränenwogen verdun⸗
kelten ihre Augen. „Meine liebe Schweſter, meine gute Andrée,“ rief Philipp,„in des Himmels Namen, was haſt Du denn?“ „Mein Freund, mein einziger Freund,“ ſprach An⸗ drée,„Du gehſt von hinnen, Du lläſſeſt mich allein in
dieſer Welt, in die ich geſtern erſt eingetreten bin, und
Du fragſt mich, warum ich weine. Ah! bedenke doch,
Philipp, ich habe meine Mutter bei meiner Geburt ver⸗ loren; es iſt abſcheulich, es zu ſagen, doch ich habe nie
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