Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 17.-20. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
Einzelbild herunterladen

261

der ängſilichſten Pünktlichkeit trug und einen Reiſemantel unter ſeinem linken Arm zuſammengefaltet hielt.

Was gibt es denn, Philipp? fragte ſie ſogleich mit jenem Inſtinct zarter Seelen, für die ein Blick eine hin⸗ reichende Offenbarung iſt.

Meine Schweſter, ſprach Philipp,ich habe dieſen Morgen Befehl erhalten, mich zu meinem Regimente zu begeben.

Und Du wirſt gehen?

Ich gehe.

Oh! rief Andrée, die in dieſem ſchmerzlichen Schrei ihren ganzen Muth und einen Theil ihrer Kräfte aushauchte.

Und obgleich dieſe Abreiſe etwas ganz Natürliches war, worauf ſie gefaßt ſein mußte, fühlte ſie ſich doch ſo gelähmt durch die Mittheilung, daß ſie ſich an dem Arm ihres Bruders zu halten genöthigt war.

Mein Gott, fragte Phillpp erſtaunt,dieſe Abreiſe betrübt Dich alſo ſo ſehr, Andrée? Du weißt doch, daß dies in dem Leben eines Soldaten eines der allergewöhn⸗ lichſten Ereigniſſe iſt.

Ja, ja, gewiß, murmelte das Mädchen;und wo⸗ hin gehſt Du, mein Bruder?

Meine Garniſon iſt in Rheims; Du ſiehſt, ich habe keine ſehr weite Reiſe zu unternehmen. Freilich kehrt das Regiment von dort, aller Wahrſcheinlichkeit nach, nach Straßburg zurück.

Ach! rief Andrée,und wann reiſeſt Du ab?

Der Befehl ſchärft mir ein, ſogleich aufzubrechen.

Du kommſt alſo, um von mir Abſchied zu nehmen?

Ja, meine Schweſter.

Abſchied! 3

Haſt Du mir etwas Beſonderes zu ſagen, Andrée? fragte Philipp, beunruhigt durch dieſe übertriebene Trau⸗ rigkeit, für welche ſie keine andere Urſache hatte, als ſeinen Abgang.