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„Ja, Sire, und das edle Blut iſt eine heilſame In⸗ fuſion, abgeſehen davon, daß bei einer Veränderung ein reicher Geiſt wie der Eurer Majeſtät immer gewinnt und nie verliert.“
„Ich erinnere mich jedoch,“ bemerkte Ludwig XV., „daß mein Großvater, als er alt wurde, den Frauen nicht mehr mit derſelben Kühnheit und Entſchiedenheit den Hof machte.“
„Ah! ah! Sire,“ ſagte Richelieu,„Eure Majeſtät weiß, welche Achtung ich für den ſeligen König hege, der mich zweimal in die Baſtille geſchickt hat; doch dies kann mich nicht abhalten, zu bemerken, daß ſich zwiſchen dem reifen Alter von Ludwig XIV. und dem reifen Alter von Ludwig XV. keine Vergleichung machen läßt. Was Teufels! Eure allerchriſtlichſte Majeſtät treibt, während ſie ihren Titel als älteſter Sohn der Kirche ehrt, den Aſcetismus nicht ſo weit, daß ſie darüber ihre Menſchlich⸗ keit vergißt.“
„Meiner Treue! nein,“ rief Ludwig XV.,„ich geſtehe das, da ich weder meinen Arzt, noch meinen Beichtvater hier habe.“
„Wohl, Sire, der Koͤnig, Ihr Großbater, ſetzte oft durch ſein Uebermaß religiöſen Eifers und durch ſeine zahlloſen Kaſteiungen Frau von Maintenon, welche doch älter war, als er, in Erſtaunen. Ich wiederhole, Sire, läßt ſich der Menſch mit dem Menſchen vergleichen, wenn man von Ihren beiden Majeſtäten ſpricht?“ 3
Der Koͤnig war an dieſem Abend ſehr guter Laune; die Worte von Nichelieu waren eben ſo viele Waſſertrop⸗ fen, welche aus der Verjüngungsqguelle herabfielen.
Richelieu dachte, der Augenblick ſei gekommen; er
ſtieß mit ſeinem Knie an das Knie von Taverney.
„Sire,“ ſprach dieſer,„Eure Majeſtät geruhe, meinen
Dank für das prächtige Geſchenk anzunehmen, das ſie
meiner Tochter gemacht hat.“ „Sie brauchen mir hiefür nicht zu danken,“ erwiederte Denkwürdigkeiten eines Arztes. V. 17


