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XCII. Das kle ine Convert des Herrn Dauphin.
An demſelben Tag verließ Fräulein von Taverney um drei Uhr ihr Zimmer, um ſich zu der Frau Dauphine zu bchelhn, welche ſich vor der Mittagstafel vorleſen zu laſſen pflegte. Der Abbé, der erſte Vorleſer J. K. H. übte dieſe Function nicht mehr. Er hielt ſich an die höhere Politik, ſeit ge⸗ wiſſen diplomatiſchen Intriguen, bei denen er ein ſchönes Talent für dergleichen Angelegenheiten entwickelt hatte. Fräulein von Taverney verließ ihr Zimmer ziemlich geputzt, um ſich an ihren Poſten zu begeben. Sie mußte, wie alle Gäſte von Trianon, mit den Schwierigkeiten einer etwas ungeſtümen Einquartierung kämpfen. Sie hatte nichts organifirt, weder ihre Bedienung, noch die Aus⸗ ſtattung ihres kleinen Mobiliars, und ſie wurde vorläufig von einer Kammerfrau von Frau von Noailles angeklei⸗ det, von dieſer wunderlichen Dame, welche die Dauphine Madame l'etiquette nannte. Andrée trug ein Kleid von blauer Seide mit langer, ſpitzig zulaufender Taille, wie der Leib einer Spinne; die⸗ ſes Kleid öffnete und theilte ſich vorn, um ein Unterkleid von Mouſſeline mit drei Reihen geſtickter Einſätze ſehen zu laſſen; kurze, ebenfalls geſtickte Aermel von feſtonnirter und von den Schultern übereinandergeſetzter Mouſſeline begleiteten das geſtickte Halstuch, das ſchamhaft den Buſen des Mädchens verbarg. Fräulein Andrée hatte einfach ihre ſchoͤnen Haare mit einem blauen, ihrem Kleide aͤhn⸗ lichen Band aufgeſchlagen; dieſe Haare, welche von ihren Wangen auf ihren Hals und auf ihre Schultern in langen, dicken Locken herabſielen, erhöhten viel mehr als die Federn,
die Zitternadeln und die Spitzen, die man damals trug, die ſtolze und zugleich beſcheidene Miene des ſchönen Mäd⸗ chens mit der matten, reinen Geſichtshaut, welche die Schminke nie befleckt hatte.
Während ſie ging, ſteckte Andrée in ihre Fäuſtlinge


