20⁵
„Sire?“
„Wenn der arme Marſchall nur nicht ſtirbt.“
„Woran?“
„An ſeinem zurückgetretenen Portefeuille.“
„Wie ſchlimm ſind Sie!“ ſagte die Gräfin, die ihn mit einem letzten Gelächter begleitete.
Seine Majeſtät aber entfernte ſich ſehr zufrieden mit ihrem Witz über den Herzog, den ſie wirklich verwünſchte.
Als Madame Dubarry in ihr Boudoir zurückkehrte, fand ſie Aiguillon auf den Knieen vor der Thüre, die Hände gefaltet, die Augen glühend auf ſie geheftet. Sie erröthete. „Ich bin geſcheitert,“ ſagte ſie;„der arme Mar⸗
ſchall....
„Ohl ich weiß Alles,“ erwiederte er,„man hört... Meinen Dank, Madame, meinen Dank.“
„Ich glaube, daß ich Ihnen dies ſchuldig war,“ ſprach ſie mit einem ſanften Lächeln;„doch ſtehen Sie auf, Herzog, ſonſt muß ich denken, Sie haben eben ſo viel Gedächtniß als Geiſt.“
„Das kann wohl ſein, Madame, mein Oheim hat es Ihnen geſagt, ich bin nichts als Ihr leidenſchaftlicher
Diener.“
„Und der des Königs; morgen müſſen Sie Seiner Majeſtät Ihre Huldigung darbringen; ſtehen Sie auf, ich bitte Sie.“
Und Sie reichte ihm ihre Hand, die er ehrfurchts⸗ voll küßte.
Die Gräfin war ſehr bewegt, wie es ſchien, denn ſie fügte kein Wort mehr bei.
Herr von Aiguillon blieb ebenſo ſtumm, ebenſo un⸗ ruhig als ſie; am Ende erhob Madame Dubarry das Haupt und ſprach abermals:
„Armer Marſchall... man wird ihm dieſe Nieder⸗ lage mittheilen müſſen.“
Herr von Aiguillon betrachtete dieſe Worte als eine
tſchiedene Entlaſſung und verbeugte ſich. 3


