Worten das ganze Geſpräch des Königs mit der Gräfin hörte. Seine Majeſtät ſchien müde, wie ein Menſch, der eine ungeheure Laſt aufgehoben hätte; Atlas war minder entkräftet nach ſeinem Tagewerk, wenn er den Himmel zwoͤlf Stunden lang auf ſeinen Schultern getragen hatte.
Ludwig XV. ließ ſich von ſeiner Geliebten danken, Beifall ſpenden, liebkoſen; er ließ ſich den ganzen Gegen⸗ ſchlag der Entlaſſung von Herrn von Choiſeul erzählen, und das beluſtigte ihn ungemein..
Da wagte ſich Madame Dubarry heraus. Es war ſchön Wetter für die Politik und überdies fühlte ſie ſich muthig genug, einen von den vier Welttheilen in Aufruhr zu ſetzen.“
4„Sire,“ ſagte ſie,„Sie haben zertrümmert, das iſt gut; Sie haben zerſtört, das iſt herrlich; doch nun han⸗ delt es ſich darum, wieder aufzubauen.“
„Oh! das iſt geſchehen,“ ſagte der König nachläßig,
„Sisahaben ein Miniſterium?“
„Ja!
„Wie, ſo mit einem Mal, ohne Athem zu holen?“
„Oh! die gehirnloſen Leute... oh! Sie Weib, das Sie ſind! Nimmt man nicht, wie Sie einſt ſagten, ehe man ſeinen Koch wegjagt, einen neuen an?“
„Wiederholen Sie mir noch einmal, daß Sie das Cabinet gebildet haben.“
Deer König erhob ſich von dem breiten Sopha, auf den er ſich mehr gelegt, als geſetzt hatte, wobei er als
Hauptkiſſen die Schultern der ſchönen Gräfin benützte.
„Jeannette,“ ſagte er,„wenn man ſieht und hört, wie Sie ſich beunruhigen, ſollte man denken, Sie kennen mein Miniſterium, um es zu tadeln, oder Sie haben mir ein anderes vorzuſchlagen.“
„Das wäre nicht ſo albern,“ bemerkte die Gräfin.
„Wahrhaftig?... Sie haben ein Miniſterium?“
„Sie haben wohl eines, Sie!“ entgegnete Madame
Dubaryy.


