hatte Gründe, die Vergangenheit zu fürchten. Ein Mus⸗ ketier, ein ehemals glücklicher Liebhaber, wie er ſagte, war eines Tags bis nach Verſailles gedrungen, um von Ma⸗ demoiſelle Lange ein wenig von ihren früheren Gunſtbe⸗ zeugungen zu fordern, und dieſe raſch durch eine ganz königliche Höhe unterdrückten Worte hatten nichtsdeſtoweni⸗ ger das ſchamhafte Echo des Pallaſtes von Frau von Maintenon läſtern gemacht.
Man hat geſehen, daß der Marſchall bei ſeinem ganzen Geſpräche mit Madame Dubarry nie das Kapitel einer Bekanntſchaft ſeines Neffen mit Mademoiſelle Lange berührte. Dieſes Stillſchweigen von Seiten eines Mannes, der wie der alte Herzog gewohnt war, die ſchwierigſten Dinge der Welt zu ſagen, ſetzte Madame Dubarry ſehr in Erſtaunen und beunruhigte ſie ſogar.
Sie erwartete alſo voll Ungeduld Herrn von Aiguillon, um endlich zu erfahren, woran ſie ſich zu halten hätte und ob der Marſchall discret oder unwiſſend geweſen ſei.
Der Herzog trat ein.
CEhrfurchtsvoll mit Leichtigkeit und ſeiner ſicher genug, um zwiſchen der Königin und der gewöhnlichen Frau von Hof zu grüßen, unterjochte er ſich mit einem Schlag eine Protection, welche ganz geneigt war, das Gute vollkom⸗ men, und das Vollkommene wunderbar zu finden.
Herr von Aiguillon nahm ſodann die Hand ſeines Oheims, der auf die Gräfin zuging und mit ſeiner ein⸗ ſchmeichelndſten Stimme zu ihr ſagte:
„Das iſt der Herr Herzog von Aiguillon, Madame; es iſt nicht mein Neffe, ſondern einer Ihrer leidenſchaft⸗ lichſten Diener, den ich Ihnen vorzuſtellen die Ehre habe.“
Die Gräfin ſchaute den Herzog bei dieſen Worten an, und ſie ſchaute ihn an, wie es die Frauen thun, näm⸗ lich mit Augen, denen nichts entgeht; ſie ſah nur zwei ehrfurchtsvoll geneigte Stirnen, und zwei Geſichter, welche ruhig und heiter nach dem Gruß wieder auftauchten.
„Ich weiß,“ erwiederte Madame Dubarry,„daß Sie den Herrn Herzog lieben, Marſchall; Sie ſind mein Freund.
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