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Ehe Madame Dubarry Gräſin war und jede Nacht mit ihren Lippen die Krone von Frankreich beruͤhrte, war ſie ein hübſches, lachendes, angebetetes Geſchöpf geweſen; ſie war geliebt geweſen, ein Gluck, auf das ſie nicht mehr
rechnen durfte, ſeitdem man ſie fürchtete. 4
Unter allen den reichen, mächtigen und ſchönen junge Leuten, welche Jeanne Vaubernier den Hof gemacht, unter allen den Reimſchmieden, welche an das Ende von zwei Verſen die Worte Lange und Ange angehängt hatten, war der Herzog von Aigutlllon in der erſten Reihe geſtan⸗ den; aber mag nun der Herzog die Sache nicht eifrig ge⸗ nug betrieben haben, mag Mademoiſelle Lange nicht ſo leicht zugänglich geweſen ſein, als ihre Verleumder be⸗ haupteten, mag endlich, und dies benimmt weder dem Einen noch der Andern ein Verdienſt, mag endlich die plötzliche Liebe des Koͤnigs die Herzen getheilt haben, welche ſich zu verſtändigen im Begriff waren, Herr von Aiguillon hatte Verſe, Akroſticha und duftende Sträuße wieder eingeſchoben; Mademoiſelle Lange hatte ihre Thüre in der Rue des Petits⸗Champs geſchloſſen; der Herzog war, ſeine Seufzer erſtickend, nach der Bretagne gezogen und Mademoiſelle Lange ſandte alle die ihrigen gen Ver⸗ ſailles an den Herrn Baron von Goneſſe, nämlich an den König von Frankreich.
Daraus ging hervor, daß das plötzliche Verſchwinden von Herrn von Aiguillon Anfangs Madame Dubarry ſehr wenig beſchäftigte, weil ſie Furcht vor der Vergangenheit hatte; als ſie aber in der Folge die ſchweigſame Haltung ihres ehemaligen Anbeters wahrnahm, wurde ſie neugierig, dann erſtaunte ſie, und gut geſtellt, um die Menſchen zu beurtheilen, urtheilte ſie, dieſer ſei wahrhaft ein Mann
von Geiſt.
Es war viel, dieſe Auszeichnung durch die Gräfin; doch es war nicht Alles, es ſollte vielleicht der Augenblick kommen, wo ſie in Herrn von Aiguillon einen Mann von Herz erkennen würde. 3
Es iſt nicht zu leugnen, die arme Mademoiſelle Lange


