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„Wir gehen alſo nach den Häuſern?“ fragte der junge Mann.
„Ja, Sie haben es geſagt, die Menge mußte ſich nach dieſer Seite wenden und hat ſich auch dahin ge⸗ wendet; dahin wird ohne Zweifel auch das unglückliche Kind gelaufen ſein! Ein junger Menſch aus der Provinz, der nicht nur die Gebräuche, ſondern auch die Straßen der großen Stadt gar nicht kennt! Es war vielleicht das erſte Mal, daß er auf die Place Louis XV. kam.“
„Ach!, meine Schweſter iſt auch aus der Provinz, mein Herr.“
„Gräßliches Schauſpiel!“ ſagte der Greis, ſich von einer Gruppe mit einander verſchlungener Leichname ab⸗ wendend.
„Gerade hier muß man ſuchen,“ ſprach der junge Mann und näherte entſchloſſen ſeine Laterne dieſem Hau⸗ fen von Todten.
„Oh! ich ſchauere bei dieſem Anblick; denn mir, einem einfachen Mann, wie ich bin, verurſacht die Ver⸗ heerung ein Grauen, das ich nicht überwinden kann.“
„Ich hatte dasſelbe Grauen, aber dieſen Abend habe ich meine Lehre durchgemacht. Sehen Sie, hier iſt ein
junger Menſch von ſechzehn bis achtzehn Jahren; er iſt
erſtickt worden, denn ich ſehe keine Wunde an ihm. Iſt er es, den Sie ſuchen?“
Mit einer gewiſſen Anſtrengung näherte der Greis ſeine Laterne..
„Nein, mein Herr,“ ſagte er,„wahrhaftig nein; der meinige iſt etwas älter, hat ſchwarze Haare und ein blei⸗ ches Geſicht.”
„Ach! ſie ſind Alle bleich heute Abend,“ rief Philipp.
„Ah! ſehen Sie,“ ſprach der Greis,„wir ſind nun am Fuße des Garde⸗Meuble. Sehen Sie dieſe Spuren des Kampfes, dieſes Blut an den Mauern, dieſe Fetzen auf den eiſernen Stangen, dieſe an den Spießen der Git⸗ ter flatternden, zerriſſenen Kleider: man weiß nicht mehr, wohin es ging!“


