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ſchon alter Mann an ihm vorüber, der einen Rock von grauem Tuch und gewalkte wollene Strümpfe trug, und ſich mit ſeiner rechten Hand auf einen Stock ſtützte, wäh⸗ rend er in der linken eine von jenen Laternen trug, welche aus einem in geöltem Papier eingeſchloſſenen Lichte ge⸗ macht ſind.
Als er Philipp ſeufzen hörte, begriff dieſer Mann, was er litt, und murmelte:
„Armer junger Mann!“
Doch da er aus einer ähnlichen Veranlaſſung ge⸗ kommen zu ſein ſchien, ſo ging er weiter.
Dann plötzlich, als hätte er es ſich zum Vorwurf
gemacht, daß er an einem ſo großen Schmerz vorüberge⸗ gangen war, ohne daß er einige Tröſtungen zu ſpenden verſucht, blieb er ſtehen und ſagte zu Philipp:
„Mein Herr, verzeihen Sie mir, daß ich meinen Schmerz mit dem Ihrigen vermiſche; doch diejenigen, welche von demſelben Schlage getroffen worden ſind, müſſen ſich auf einander ſtützen, um nicht zu fallen. Ueberdies... können Sie mir nützlich ſein. Sie ſuchen ſchon lange, denn Ihre Kerze iſt dem Erlöſchen nahe, Sie müſſen alſo
die unheilvollſten Stellen des Platzes kennen.“ ODOhl ja, mein Herr, ich kenne ſie.“
„Wohl! ich ſuche auch Jemand.“
„Dann ſehen Sie zuerſt in dem großen Graben; dort werden Sie mehr als fünfzig Leichen finden.“
„Gerechter Himmel! ſünfzig, ſo viele Opfer bei einem Feſte getödtet!“ 4
„So viele Opfer! mein Herr, ich habe ſchon tauſend
Geſichter beleuchtet und meine Schweſter noch nicht wieder
gefunden!“
„Ihre Schweſter?“
„Dort in jener Richtung war ſie. Ich habe ſie bei einer Bank verloren. Ich habe den Platz wiedergefunden, wo ich ſie verloren, aber von ihr keine Spur. Ich will von der Baſtei ausgehend abermals zu ſuchen anfangen.“
„Auf welche Seite ging das Volk, mein Herr 2˙
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