Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 14.-16. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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furcht, dringen ein paar Tropfen friſchrothen Blutes her⸗ vor; einer von ſeinen Armen wird durch ſeinen Rock ge⸗ halten, der ihn zwiſchen zwei Knöpfen einſchließt; ſein mit Schweiß bedecktes Geſicht verräth eine beſtändige und tiefe Aufregung. Bei der Ermahnung des Arztes, die er, wie geſagt, zum zweiten Male hörte, hob er den Kopf in die Höhe, ſchaute traurig dieſe verſtümmelten Glieder an, welche der Operateur beinahe mit Wonne zu betrachten ſchien, und ſagte:

2405b mein Herr, warum wählen Sie die Opfer aus?

Weil, antwortete der Wundarzt, der bei dieſer Frage ebenfalls den Kopf in die Höhe hob,weil Nie⸗ mand ſich der Armen annehmen wird, wenn ich nicht an ſie denke, und weil die Reichen immer noch genug bevor⸗ zugt ſein werden! Senken Sie Ihre Laterne und betrach⸗ ten ſie das Pflaſter; Sie finden hundert Arme für einen Reichen oder Adeligen. Und auch bei dieſer Kataſtrophe haben die Adeligen und Reichen mit einem Glück, das Gott am Ende ermüden wird, den Tribut bezahlt, den ſie gewöhnlich bezahlen: einer von tauſend.

Der junge Mann erhob ſeine Stocklaterne bis zur Höhe ſeiner blutigen Stirne und ſprach, ohne ſich zu er⸗ zürnen:

Dann bin ich der Einzige, ich ein, wie ſo viele Andere, unter dieſer Menge verlorener Edelmann, ich, den der Fußtritt eines Pferdes auf der Stirne verwundet hat, der ich mir, in einen Graben fallend, den Arm gebrochen habe. Man laufe den Reichen und den Adeligen nach, ſagen Sie; Sie ſehen aber wohl, daß ich noch nicht ver⸗ bunden bin.

Sie haben Ihr Hotel, Ihren Arzt, kehren Sie nach Hauſe zurück, da Sie gehen können.

Ich verlange von Ihnen keine Pflege, mein Herr; ich ſuche meine Schweſter, ein ſchönes junges Mädchen von ſechzehn Jahren, das ohne Zweifel getödtet worden iſt, obgleich es nicht zum Volk gehört. Die Unglückliche

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