Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 14.-16. Bändchen (1847) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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den beklagten Gegenſtand, den verlorenen Freund gefunden, ſo folgen Schreie auf die herzzerreißende Ueberraſchung, und ein Schluchzen, das ſich auf einem neuen Punkte des blutigen Schauplatzes erhebt, antwortet einem neuen Schluchzen!

Zuweilen vernimmt man einen plötzlichen Lärmen. Eine Laterne fällt und zerbricht, der Lebendige hat ſich auf den Todten geſtürzt, um ihn zum letzten Male zu umarmen..

Es gibt noch andere Geräuſche auf dieſem weiten Kirchhof.

Einige Verwundete, deren Glieder durch den Sturz

gebrochen wurden, deren Bruſt durch das Schwert bear⸗

beitet oder durch den Druck der Menge überlaſtet worden iſt, laſſen ein gewaltiges Röcheln vernehmen, oder ſtoßen einen Seufzer in Form eines Gebetes aus, und ſogleich bunien diejenigen herbei, welche ihren Freund zu ſinden offen.. Indeſſen bildet ſich am Ende des Platzes beim Garten mit der Aufopferung der populären Nächſten⸗ liebe eine Ambulanz. Ein junger Wundarzt, man erkannte wenigſtens in ihm einen ſolchen an der Menge der Inſtru⸗ mente, mit denen er umgeben war, ein junger Wundarzt läßt ſich verwundete Männer und Frauen bringen; er ver⸗ bindet ſie, und während er ſie verbindet, ſagt er zu ihnen von jenen⸗Worten, welche mehr den Haß gegen die Sache, als das Mitleid mit der Wirkung ausdrücken.

Seinen zwei Gehülfen, kräftigen Laſtträgern, mit deren Unterſtützung er dieſe blutige Revue vornimmt, ruft er beſtändig zu:Die Frauen aus dem Volke, die Männer aus dem Volke zuerſt. Sie find leicht zu erkennen, beinahe immer mehr verwundet und ſicherlich minder geputzt. Bei dieſen mit einer monotonen Schärfe bei jedem Verbinden ausgeſprochenen Worten, hat ein junger Menſch mit blei⸗ cher Stirne, der unter den Leichnamen ſucht, zum zweiten Male den Kopf erhoben.

Aus einer breiten Wunde, die ihm die Stirne durch⸗