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Und Philipp ſchlang ſeinen Arm um den Leib ſeiner Schweſter und zog ſie nach der Seite ſeines Vaters fort; an dem furchtbaren Lärmen, der ſich hörbar machte, er⸗ kannte dieſer eine Gefahr, von der er ſich keine Rechen⸗ ſchaft geben konnte, neigte ſich aus dem Schlage und ſuchte mit den Augen ſeine Kinder.
Es war ſchon zu ſpät und die Weiſſagung von Phi⸗ lipp verwirklichte ſich. Der aus fünfzehntauſend Raketen beſtehende Strauß brach los, entſtürzte in allen Richtungen und verfolgte die Neugierigen wie feurige Pfeile, die man in die Arena nach den Stieren abſchießt, um ſie zum Kampfe aufzureizen.
Anfangs erſtaunt, dann erſchrocken, wichen die Zu⸗ ſchauer mit der Gewalt der Unüberlegtheit vor dem un⸗ überwindlichen Rückſchritte von hundert tauſend Perſonen zurück; hundert tauſend andere gaben keuchend ihrer Nach⸗ hut dieſelbe Bewegung; das Gerüſte ſing Feuer, die Kinder ſchrieen, die Frauen hoben erſtickend ihre Arme empor; die Bogenſchützen ſchlugen rechts und links, in der Meinung ſie könnten die Schreier zum Schweigen bringen und die Ordnung durch die Gewalt wiederherſtellen. Alle dieſe Urſachen machten zuſammengenommen, daß die Woge, von der Philipp ſprach, wie eine Waſſerhoſe auf die Ecke des Platzes fiel, wo er ſich befand; ſtatt den Wagen des Barons zu erreichen, wie er hoffte, wurde der junge Mann von der unüberwindlichen Strömung fortgeriſſen, von der keine Beſchreibung einen Begriff zu geben vermöchte, denn, durch die Furcht und den Schmerz ſchon verzehnfacht, verhundertfachten ſich die Kräfte der Einzelnen durch die Beifügung der allgemeinen Kräfte.
Im Augenblick, wo Philipp Andrée fortzog, ließ ſich auch Gilbert von der Woge faſſen, welche ſie mitnahm, doch nach etwa zwanzig Schritten hob eine Bande von Flüchtigen, die ſich links in die Rue de la Madeleine wandte, Gilbert in die Höhe und ſchleppte ihn mit ſich, ſo gewaltig er auch brüllte, als er ſich von Andrée ge⸗
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