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An den Arm von Philipp angeklammert, wurde Andrée in eine Gruppe eingeſchloſſen, welche das Zuſammentreffen mit einem Wagen zu vermeiden ſuchte, an den zwei wü⸗ thende Pferde geſpannt waren. Philipp ſah ihn raſch und drohend auf ſich zukommen; die Pferde ſchienen Feuer durch die Augen, Schaum durch die Nüſtern zu ſchleu⸗ dern. Er machte übermenſchliche Anſtrengungen, um dem Zuge auszuweichen. Doch Alles war vergebens, er ſah, wie die Menge hinter ihm ſich öffnete, er erblickte die ſchäumenden Köpfe der zwei wahnſinnigen Thiere, die ſich bäumten wie die marmornen Roſſe, welche den Eingang der Tuilerien bewachen, während der Sklave ſie zu bän⸗ digen verſucht. Philipp ließ den Arm von Andrée los, ſtieß ſie, ſo viel ihm möglich war, aus dem gefährlichen Pfade und ſprang dem Pferd, das ſich auf ſeiner Seite befand, ans Gebiß; das Pferd bäumte ſich, Andrée ſah ihren Bruder ſinken, fallen, verſchwinden; ſie ſtieß einen Schrei aus, erhob die Arme, wurde zurückgeworfen, drehte ſich im Kreiſe und befand ſich nach einem Augenblick allein, ſchwankend, fortgetragen, wie die Feder im Winde, ohne der Kraft, die ſie anzog, einen Widerſtand entgegen⸗ ſetzen zu können.
Betäubendes Geſchrei, furchtbarer als Kriegsgeſchrei, Wiehern von Pferden, ein gräßlicher Lärmen der Räder, welche bald das Pflaſter, bald die Leichname zermalmten, das bleiche Feuer der verbrennenden Gerüſte, der düſtere Blitz der Säbel, welche einige wüthende Soldaten gezogen hatten, und über Alles dies das blutige Chaos, die eherne Statue von falbem Widerſchein beleuchtet und den Vorſitz bei dem Blutbade führend, dies war mehr, als es brauchte, um die Vernunft von Andrée in völlige Verwirrung zu bringen und ihr alle ihre Kräfte zu rauben. Es waren die Kräfte eines Titanen ohnmächtig bei einem ſolchen Kampfe geweſen, bei einem Kampfe eines Einzel⸗ nen gegen Alle mit der Zuthat des Todes.—
Andrée ſtieß einen herzzerreißenden Schrei aus; ein


