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Plötzlich verbreitete ſich ein lebhafter Schimmer, der in einer ſchrägen Linie vom Fluſſe herkam. Es war eine mit furchtbarem Krachen zerplatzende Bombe, deren ver⸗ ſchiedenartiges Feuer Andrée bewunderte.
„Sieh, Philipp, wie ſchön das iſt,“ ſagte ſie.
„Mein Gott,“ rief der junge Mann unruhig, ohne ihr zu antworten,„dieſe letzte Rakete war ſehr ſchlecht gerichtet: ſie iſt offenbar von ihrer Bahn abgegangen, denn ſtatt ihre Parabel zu beſchreiben, iſt ſie beinahe horizontal fortgeſchoſſen.“
Philipp hatte kaum dieſe Unruhe geäußert, weche ſich auch in der Menge durch ein Beben fühlbar zu machen anfing, als ein Flammenwirbel von der Baſtei aufſprang, auf der ſich der Strauß und die Reſerve des Feuerwerks fanden. Ein Lärmen, dem von hundert Donnern ähnlich, durchkreuzte ſich in allen Richtungen auf dem Platze und brachte, als hätte dieſes Feuer verheerende Kartätſchen enthalten, die am nächſten ſtehenden Auſchang welche einen Augenblick die unerwartete Flamme ihr Geſicht an⸗ greifen fühlten, in Verwirrung.
„Schon der Strauß? Schon der Strauß?“ riefen die entfernteſten Zuſchauer.„Noch nicht! Das iſt zu früh.“
„Schon!“ wiederholte Andrée.„Oh! ja, es iſt zu früh.“
„Nein,“ ſagte Philipp,„es iſt nicht der Strauß; es iſt ein Unfall, der in einem Augenblick wie die Wellen des Meeres dieſe noch ruhige Menge niederwerfen wird. Komm, Andrée, kehren wir zu unſerem Wagen zurück, komm.“ 3
„Oh! laß mich noch ſehen, Philipp, es iſt ſo ſchoͤn.“
„Im Gegentheil, Andrée, wir haben keinen Augenblick zu verlieren, folge mir. Das iſt das Unglück, das ich ahnete. Eine verlorene Rakete hat die Baſtei in Brand geſteckt. Man zermalmt ſich ſchon dort. Hörſt Du das Geſchrei? Das iſt nicht mehr Freudengeſchrei, ſondern Angſtgeſchrei. Geſchwinde, geſchwinde zum Wagen.“ 4


