Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 9.-13. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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LXVII. Das Feuerwerk.

Andrée und ihr Bruder waren kaum feſtgeſtellt, als die erſten Raketen in die Wolken aufſchoßen und ein ge⸗ waltiges Geſchrei ſich aus der Menge erhob, die ſich nun einzig und allein der Beſchauung deſſen hingab, was ihr der Mittelpunkt des Platzes bieten ſollte.

Der Anfang des Feuerwerks war prachtvoll und in

jeder Beziehung würdig des hohen Rufes von Ruggieri. Die Decoration des Tempels entzündete ſich ſtufenweiſe und bot dann eine Facade von Feuern. Beifallsgeklatſche erſcholl; doch dieſes Geklatſche verwandelte ſich bald in wüthende Bravos, als aus dem Rachen der Delphine und aus den Urnen der Flüſſe Flammenſtröme hervorſtürzten, welche ihre Cascaden von verſchiedenfarbigen Feuern kreuzten.

Vom höchſten Erſtaunen beim Anblick eines Schau⸗ ſpieles, das nicht ſeines Gleichen auf der Welt hat, bei dem Anblicke einer vor einem Flammenpalaſte vor Freude brüllenden Bevölkerung von ſiebenmal hundert tauſend Seelen ſuchte Andrée nicht einmal ihre Eindrücke zu ver⸗

bergen.

Drei Schritte von ihr, durch die herkuliſchen Schul⸗

een eines Laſtträgers, der ſein Kind in die Luft hob,

berdeckt, betrachtete Gilbert Andrée ihretwegen und das Feuerwerk, weil ſie es betrachtete.

Gilbert ſah Andrée vom Profil; jede Rakete beleuch⸗ tete das ſchöne Antlitz und verurſachte ein Beben bei dem jungen Manne; es kam ihm vor, als entſtünde die all⸗ gemeine Bewunderung aus dieſem göttlichen Geſchöpfe, das er anbetete.

Andrée hatte Paris nie geſehen und eben ſo wenig

eine ſolche ungeheure Menge und die Herrlichkeiten eines ſolchen Feſtes; die vielfachen Offenbarungen, welche auf ihren Geiſt eindrangen, betäubten ſie.

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