Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 9.-13. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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Muth gefaßt, ich bitte Sie; überlaſſen wir dieſe Angſt dem großen Haufen: die phyſiſche Bewegung iſt eine von den Bedingungen der Natur. Wir dürfen nicht mehr da⸗ rüber erſtaunen, als über die Ruhe, nur folgen ſich die Ruhe und die Bewegung; die Ruhe wird durch die Be⸗ wegung geſtoͤrt, die Bewegung wird durch die Ruhe wie⸗ der abgekühlt. Im Ganzen iſt das nur ein Sturm, Madame, und ein Sturm iſt eine von den allernatürlich⸗ ſten und häufigſten Erſcheinungen der Schöpfung. Ich weiß alſo nicht, warum man darüber erſchrecken ſollte.

Oh! vereinzelt würde er mich vielleicht auch nicht erſchrecken; doch dieſer Sturm an unſerem Hochzeittage, erſcheint er Ihnen nicht auch als ein furchtbares Vor⸗ zeichen in Verbindung mit denen, welche mich ſeit meinem Eintritt in Frankreich verfolgen?

Was ſagen Sie, Madame, rief der Dauphin un⸗ willkührlich von einem abergläubiſchen Schrecken ergriffen, Vorzeichen, ſagen Sie?

Ja, ja, gräßliche, blutige!

Theilen Sie mir dieſe Vorzeichen mit, Madame; man geſteht mir im Allgemeinen einen vernünftigen, kalten Geiſt zu; vielleicht habe ich das Glück, die Vorzeichen, welche Sie erſchrecken, zu bekämpfen und niederzuſchlagen.

Mein Herr, die erſte Nacht in Frankreich brachte ich in Straßburg zu; man quartierte mich in einem großen Zimmer ein und zündete Kerzen an, weil es finſter ge⸗ worden war; als man dieſe Kerzen angezündet hatte, zeigte mir ihr Schimmer eine von Blut triefende Wand. Ich hatte jedoch den Muth, mich der Wand zu nähern und dieſe rothen Tinten aufmerkſamer zu betrachten. Die Mauer war mit einer Tapete überzogen, welche die Nie⸗ dermetzelung der unſchuldigen Kinder darſtellte. Die Ver⸗ zweiflung mit den troſtloſen Blicken, der Mord mit flam⸗ menden Augen, der Blitz des Beiles oder des Schwertes, Thränen, Geſchrei der Mütter, Seufzer des Todeskampfes ſchienen überall und durch einander aus dieſen propheti⸗ ſchen Wänden hervorzubrechen, welche, je mehr ich ſie an⸗

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