Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 9.-13. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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Sprechen Sie für ſich, junger Mann, Sie ſind in dem Alter der Illuſionen.

Man kann ſich über die Dinge täuſchen, aber nicht über die Menſchen.

Ach! Sie werden ſpäter ſehen, daß man ſich haupt⸗ ſächlich über die Menſchen täuſcht. Rouſſeau iſt vielleicht ein wenig gerechter als die andern Menſchen, aber glauben Sie mir, er hat ſeine Fehler, und zwar ſehr große.

Gilbert ſchüttelte den Kopf mit einer Miene, welche wenig Ueberzeugung ausdrückte; aber trotz dieſer unhöf⸗ lichen Kundgebung fuhr der Fremde fort, ihn mit derſel⸗ ben Gunſt zu behandeln.

Kommen wir zu unſerem Ausgangspunkt zurück, ſprach der Fremde.Ich ſagte, Sie haben Ihren Herrn in Verſailles verlaſſen.

Und ich, verſetzte Gilbert etwas geſchmeidiger,und

ich, der ich Ihnen antwortete, ich habe keinen Herrn, wäre befugt geweſen, zu antworten, es habe nur von mir abgehängt, einen ſehr hochgeſtellten zu bekommen, und ich habe eine Lage ausgeſchlagen, um die ich von vielen An⸗ dern beneidet worden wäre.

Eine Lage?

Ja, ich ſollte zur Beluſtigung von müßigen vor⸗ nehmen Herren dienen, aber ich dachte, da ich jung ſei, ſtudiren und meinen Weg machen könne, dürfe ich dieſe koſtbare Jugendzeit nicht verlieren, und in meiner Perſon die Würde des Menſchen nicht compromittiren.

Das iſt gut, ſprach der Fremde ernſt;doch haben Sie einen beſtimmten Plan, um Ihren Weg zu machen?

Mein Herr, ich trachte darnach, Arzt zu werden.

Eine ſchöne und edle Laufbahn, auf welcher man zwiſchen der wahren Wiſſenſchaft, einer beſcheidenen Mär⸗

tyrerin, und der frechen, goldenen, feiſten Charlatanerie wählen kann. Lieben Sie die Wahrheit, junger Mann, ſo werden Sie Arzt, lieben Sie das Aufſehen, ſo machen

Sie ſich zum Arzt.