Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 9.-13. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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Jeden Abend, wenn er einſchläft, weiß er nicht, ob er nicht am andern Morgen in der Baſtille erwacht.

Oh! wie muß er die Menſchen haſſen.

Er liebt ſie nicht und haßt ſie nicht, er iſt ihrer überdrüſſig.

Die Leute nicht haſſen, die uns mißhandeln! rief Gilbert,das begreife ich nicht.

Rouſſeau iſt ſtets frei geweſen, mein Herr, Rouſſeau iſt ſtark genug geweſen, um ſich nur auf ſich ſelbſt zu ſtützen, und die Stärke und die Freiheit machen die Men⸗ ſchen ſanft und gut, während die Sklaverei und die Schwäche allein dieſelben böſe machen.

Deßhalb wollte ich frei bleiben, ſprach Gilbert ſtolz;ich errieth, was Sie mir jetzt erklärt haben.

Man iſt ſelbſt im Gefängniß frei, mein Freund, ſagte der Fremde;wäre Rouſſeau in der Baſtille, was ihm fruͤher oder ſpäter begegnen wird, ſo würde er eben ſo frei ſchreiben und denken, als in den Gebirgen der Schweiz. Ich, was mich betrifft, habe nie geglaubt, die Freiheit des Menſchen beſtehe darin, daß er thue, was er wolle, ſondern darin, daß ihn keine menſchliche Macht zu thun zwinge, was er nicht wolle.

Hat Rouſſeau geſchrieben, was Sie da ſagen, mein Herr?

Ich glaube, antwortete der Fremde.

Nicht in ſeinem Contrat Social?

Nein, in einem Werke, das neuerdings unter dem Titel Réveries d'un Promeneur Ssolitaire*) von ihm veröffentlicht worden iſt.

Mein Herr, ſprach Gilbert voll Wärme,ich glaube,

wir begegnen uns in einem Punkt.

In welchem? 1Darin, daß wir Beide Ronſſeau lieben und bewun⸗ ern.

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*) Träumereien eines einſamen Spaziergängers.