Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : [Erste Abteilung] : 9.-13. Bändchen (1846) Mémoires d'un médecin
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auf ſeine Perſon und beeilte ſich, den Muthmaßungen zu begegnen, welche nicht günſtig für ihn ſein konnten.

Man bekennt Hunger, mein Herr, ſo oft man ſeit zwölf Stunden nichts gegeſſen hat, ſagte er,und es ſind nun zwölf Stunden, ſeitdem ich nichts mehr zu mir genommen habe..

Die Wahrheit der Worte des jungen Mannes ver⸗ rieth ſich durch die Aufregung in ſeiner Phyſiognomie, durch das Zittern ſeiner Stimme, durch die Bläſſe ſeines Geſichtes.

Der Greis zögerte, oder fürchtete vielmehr nicht län⸗ ger. Er reichte Gilbert zugleich ſein Brod und das Sacktuch, aus dem er die Kirſchen zog.

Ich danke, mein Herr, ſagte Gilbert, indem er das Sacktuch ſanft zurückſchob.

Und er brach das Brod entzwei, nahm die eine

Hälfte davon, gab die andere zurück, und ſetzte ſich ſodann

auf das Gras, drei Schritte von dem Greiſe, der ihn mit

wachſendem Erſtaunen anſchaute. 3 Das Mahl dauerte nur kurze Zeit. Es war wenig Brod und Gilbert hatte großen Appetit. Der Greis ſtörte

ihn durch keine Sylbe; er ſetzte ſeine ſtumme Prüfung

fort, jedoch verſtohlen und indem er, ſcheinbar wenigſtens, die größte Aufmerkſamkeit ſeinen Pflanzen und Blumen ſchenkte, welche, als wollten ſie Luft ſchöpfen, ihr wohl⸗

riechendes Haupt bis zu dem Niveau des blechernen Deckels erhoben.

Als er aber ſah, daß ſich Gilbert der Pfütze näherte, rief er lebhaft:

Trinken Sie nicht von dieſem Waſſer, junger Mann; es iſt durch den Abfall der im vorigen Jahre geſtorbenen Pflanzen und durch die Froſchlaiche, welche auf ſeiner Oberfläche ſchwimmen, verdorben. Nehmen Sie eher einige Kirſchen, ſie werden Sie ebenſo gut erfriſchen als Waſſer. Nehmen Sie, ich lade Sie dazu ein, denn ich ſehe, Sie ſind kein läͤſtiger Gaſt. Es iſt wahr, mein Herr, die Zudringlichkeit iſt ge⸗

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