lingswohlgerüche gezogen, welche theils der Blume, theils der Pflanze angehören.
Man war zu der Stunde des Tages gelangt, wo die Stille ſanfter und tiefer von dem Himmel fällt, der ſich zu verdüſtern anfängt, zu der Stunde, wo die Blumen, indem ſie ſich ſchließen, das in ihrem Kelche entſchlum⸗ merte Inſekt verbergen. Die goldenen Fliegen kehren ſummend in die Höhlung der Eichen zurück, die ihnen als Aſyl dienen, die Vögel ziehen ſtumm in das Blätterwerk, wo man nur noch das raſche Streifen ihrer Flügel hört, und der einzige Geſang, der noch ertönt, iſt das ſcharfe Pfeifen der Amſel und das ſchüchterne Zwitſchern des Rothkehlchens.
Gilbert war mit den Waldungen vertraut, er kannte ihr Geräuſch und ihr Stillſchweigen. Er warf ſich auch, ohne länger nachzudenken, ohne ſich knabenhaften Befürch⸗ tungen hinzugeben, auf das Heidekraut, das da und dort mit Blättern, die der Winter zernagt, beſtreut war.
Mehr noch, ſtatt unruhig zu ſein, fühlte Gilbert eine unermeßliche Freude. Er ſchlürfte in langen Wellen die freie, reine Luft ein; er fühlte, daß er auch diesmal als Stoiker über alle Fallen, die man der menſchlichen Schwäche geſtellt, triumphirt hatte. Was lag ihm daran, ob er Brod, ob er Geld beſaß, ob ihm eine Zufluchts⸗ ſtätte geöffnet war? Hatte er nicht ſeine liebe Freiheit? verfügte er nicht im ganzen Umfange über ſie?
Er ſtreckte ſich alſo am Fuße eines rieſigen Kaſta⸗ nienbaumes aus, der ihm ein weiches Bett zwiſchen den Armen von zwei dicken, moosbewachſenen Wurzeln bot, und entſchlief, während er den Himmel anſchaute, der ihm zulächelte.
Der Geſang der Vögel weckte ihn; es war kaum Tag. Als er ſich auf ſeinen durch die Berührung des harten Holzes gelähmten Arm erhob, ſah Gilbert die bleiche Dämmerung den dreifachen Ausgang eines Kreuzweges beſtreifen, während da und dort auf Fußpfaden, die der Thau befeuchtet, raſche Kaninchen mit geſenktem Ohr


